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    Auerhofen

    Samstagsbrief: Sie sind ein Glücklichmacher, Herr Preuß!

    Nacht für Nacht und bei jedem Wetter sorgen unsere Austräger dafür, dass die Zeitung zum Leser kommt. Zeit für ein Dankeschön. Stellvertretend an unseren ältesten Austräger.
    1565 Zeitungsausträger sind für die Mediengruppe Main-Post tätig.
    1565 Zeitungsausträger sind für die Mediengruppe Main-Post tätig. Foto: Jochen Jörg

    Lieber Herr Preuß,

    heute stellt sich zum ersten Mal der Adressat des Samstagsbriefs das Schreiben gewissermaßen selbst zu. Und das, obwohl Sie eigentlich gar nicht der einzige Adressat sind. Klingt ziemlich kompliziert, ist es aber nicht. Wir schreiben Ihnen, lieber Herr Preuß, stellvertretend für die exakt 1565 Zeitungszusteller, die für unser Haus tätig sind. Warum ausgerechnet Ihnen? Weil Sie mit Ihren knapp 90 Jahren unser ältester Träger sind. Sechs Zeitungen tragen Sie täglich aus. In Auernhofen, einem Ortsteil der Gemeinde Simmershofen im mittelfränkischen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim. Und warum schreiben wir Ihnen überhaupt? Weil es einmal Zeit ist, danke zu sagen! Ihnen und all Ihren 1564 Kolleginnen und Kollegen.

    Nacht für Nacht, sechsmal pro Woche, stehen Sie auf der Matte und sorgen dafür, dass das, was wir Redakteure am Vortag recherchiert und geschrieben haben, unsere Leser erreicht. Was wären unsere Recherchen und Geschichten wert, wenn sie kein Publikum hätten? Richtig: nichts. Und Sie sorgen fürs Publikum.

    Es ist für unsere Arbeit also essentiell, dass Sie die Ihre machen. Und das bei jedem Wetter. Sogar am vergangenen Montag, als Sturmtief "Sabine" über die Region gefegt ist. Während die Schule ausfiel, Flugzeuge am Boden blieben, die Bahn die Fernverbindungen strich und einige Firmen ihren Mitarbeitern freistellten, wann sie zur Arbeit kommen, waren die meisten Zeitungsträger unterwegs – und lieferten pünktlich. Auch die Leser danken es Ihnen. Zum Beispiel im Internet: Unter unserem Artikel, der darüber informierte, dass wir an diesem stürmischen Montag das E-Paper – also die digitale Version der gedruckten Zeitung – kostenlos zur Verfügung stellten, damit im Fall der Fälle niemand auf seine Zeitung verzichten muss, kommentierten viele Nutzer freundlich. So wie diese Leserin: "Tolle Idee! Unsere Zeitung war heute aber trotz des sch... Wetters pünktlich im Briefkasten! Dem Austräger an dieser Stelle ein großes Lob!!!!!!" Das gebe ich an dieser Stelle an Sie und Ihre Kollegen gerne weiter.

    Sicher: Im digitalen Zeitalter, in dem der Rhythmus des Internets die News-Taktung vorgibt, ist die Zeitung nicht mehr der einzige Weg, Nachrichten zu verbreiten. Aber für viele unserer Leserinnen und Leser ist er immer noch der schönste. Es gibt nicht wenige, die im Morgengrauen am Fenster stehen und auf den Austräger warten. In diesen Haushalten liegt die Zeitung nie lange im Kasten. Für unsere Abonnenten gehört die Zeitung zum Frühstückstisch wie die Marmelade und das Rascheln des Papiers zum Morgen wie das Röcheln der Kaffeemaschine.

    Wie sehr die Zeitung vermisst wird, wenn mal was schief geht – wegen eines Problems in der Druckerei oder weil ein Zusteller mal ausfällt –, bekommen wir in der Redaktion, aber vor allem die Mitarbeiter im Kundenservice zu spüren: Dann stehen die Telefone nicht still.

    An den allermeisten Tagen aber, wenn die Zeitung pünktlich geliefert ist, sorgen Sie für Zufriedenheit. Sie, Herr Preuß, und alle Ihre Kolleginnen und Kollegen sind die Glücklichmacher unserer Leserschaft – auch wenn Ihre Leistung, Ihre Dienstleistung, bisweilen vergessen wird. Weil Sie zu den vielen unsichtbaren Helden des Alltags gehören, die zwischen Dunkelheit und Siehst-mich-nicht ihre Arbeit machen, deren Wert man erst dann richtig schätzt, wenn Sie mal ausfallen.

    "Sie", das sind hauptberufliche Boten, aber auch Menschen, die sich etwas dazuverdienen. Studenten und Hausfrauen zum Beispiel. Oder Rentner, so wie Sie, Herr Preuß. Im Landkreis Bad Kissingen gibt es übrigens einen Rentner, der trägt tatsächlich täglich noch 200 Zeitungen aus. Der ist aber auch noch keine knapp 90, sondern wird erst 85 Jahre...

    Wenn Sie diese Zeilen lesen, Herr Preuß, ist es vermutlich noch früh am Samstagmorgen. Wie in den letzten 15 Jahren auch – oder sind es schon 20? So genau konnten Sie das gar nicht mehr sagen, als wir die Tage kurz telefoniert haben –, sind Sie gegen 5 Uhr los. Haben Ihre sechs Zeitungen zugestellt. Sind wieder nach Hause gegangen. Haben sich einen Kaffee gemacht. Und dann selbst die Zeitung aufgeschlagen. So wie Tausende andere in der Region auch. Anschließend, so erzählten Sie, legen Sie sich gerne noch mal ein bisschen hin. Es sei Ihnen gegönnt.

    Unter uns, Herr Preuß, ich bin kein Morgenmensch. Vor 9 Uhr und vor dem ersten Kaffee bin ich nicht für vieles zu gebrauchen. Auch vor diesem Hintergrund: meinen höchsten Respekt! Und: 1565 Mal danke!

    Mit freundlichen Grüßen

    Benjamin Stahl, Redakteur

    Einer bekommt Post: Der "Samstagsbrief"
    Jedes Wochenende lesen Sie unseren "Samstagsbrief". Was das ist? Ein offener Brief, den ein Redakteur unserer Zeitung an eine reale Person schreibt – und tatsächlich auch verschickt. An eine Person des öffentlichen Lebens, die zuletzt Schlagzeilen machte. An jemanden, dem wir etwas zu sagen haben. An einen Menschen aus der Region, der bewegt hat und bewegt. Vielleicht auch mal an eine Institution oder an ein Unternehmen. Oder ausnahmsweise an eine fiktive Figur.
    Persönlich, direkt und pointiert formuliert soll der "Samstagsbrief" sein. Mal emotional, mal scharfzüngig, mal mit deutlichen Worten, mal launig – und immer mit Freude an der Kontroverse. Der "Samstagsbrief" ist unsere Einladung zur Debatte und zum Austausch. Im Idealfall bekommen wir vom Adressaten Post zurück.
    Die Antwort und den Gegenbrief, den Briefwechsel also, finden Sie dann auf jeden Fall bei allen "Samstagsbriefen" hier. Und vielleicht bietet die Antwort desjenigen, der den "Samstagsbrief" zugestellt bekommt, ja auch Anlass für weitere Berichterstattung – an jedem Tag der Woche.

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