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    Samstagsbrief: Sind Sie ein Schlag ins Gesicht, Kapitän Silbereisen?

    Samstagsbrief: Sind Sie ein Schlag ins Gesicht, Kapitän Silbereisen?
    Wachablösung: Sascha Hehn (links) übergibt das Traumschiff-Kommando an Florian Silbereisen. Foto: dpa

    Bei dem neuen Traumschiff-Chef kann ich mir die Begrüßung einfach nicht verkneifen: Heidewitzka, Herr Kapitän! Keine Angst, ich will auch gar nicht lange stören, bestimmt sind Sie gerade im Stress. Die Dreharbeiten für Ihre neue Rolle beginnen im Februar. Vorher werden Sie sicher noch eben eine CD aufnehmen. Mit lustigen Seemannsliedern. Einschließlich der Hits „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen“ und „Junge, komm bald wieder“. Als perfekter Selbstvermarkter wissen Sie, was zu tun ist.

    Womit wir schon beim Thema sind, lieber Florian Silbereisen: Zuletzt war es dann doch ein bisschen viel Silbereisen. Das reichte fast schon an die tägliche Brexit-Beschallung und die permanente Dosis Donald Trump heran. Die Trennung von Helene Fischer war eine derartige mediale Explosion, dass einem Hören und Sehen verging. Kaum war der Rauch verflogen, folgte prompt die Samstagabend-Wiedersehens-Tränen-Show. Und dann, zack, nachladen, wartete auch schon die „TV-Sensation des Jahres“. Eine Nummer drunter ging’s für Ihren Traumschiff-Einstieg nicht.

    Florian hier, Silbereisen da. Auf allen Kanälen. In Serie. Irgendwann ist dann der Sättigungsgrad erreicht. Das ist der Grund, warum Ihnen einige an dieser Stelle liebend gerne den großen Auf-den-Keks-Geher-Preis am Bande verliehen hätten.

    Im Grunde war es ja die ganze Zeit schon so, dass wir uns in einer Florian-Fischer-Helene-Silbereisen-Endlosschleife befanden: Florian tritt bei Helene auf. Eine Woche später ist Helene bei Florian zu Gast. Jeweils mit Andrea Berg als Puffer dazwischen. Die Florianisierung des Fernsehens.

    Ich dachte lange, das sei nicht zu toppen. Dass es vorbeigehen wird. Wie blauäugig von mir! Scheinbar fängt’s erst richtig an. Ich wette, Sie planen längst ein eigenes Mode-Label. Vielleicht sagen Sie künftig auch noch das Wetter an. Irgendwie scheint gerade alles denkbar. Tatort-Kommissar wäre natürlich auch was – dann selbstverständlich als Duo mit Chefermittlerin Helene Fischer.

    Dabei fällt mir ein: Ihre Ex hat ja tatsächlich schon Tatort-Erfahrung. Anfang 2016 gab es einen Gastauftritt in der Folge "Der große Schmerz". Wobei sich bis heute das Gerücht hält, dass die größten Schmerzen die Zuschauer hatten. Aber egal, ich will Ihnen ja nur klar machen, was ich meine: Man will komische Dinge erfinden, etwas an den Haaren herbeiziehen – und muss feststellen, dass es diese Dinge bereits gibt und das Herbeiziehen umsonst ist.

    Von daher war ich auch kaum noch überrascht, als ich las, dass Sie Ostern 2017 schon mal auf dem Traumschiff angeheuert hatten: als Jungoffizier Florian. Wie putzig. Muss ein ziemlich dreister PR-Gag gewesen sein, weil Sie gleich mit Ihrer eigenen Schlagertruppe Klubbb3 auftraten. Die gehobene Kunst der Vermarktung. Florianisierung eben.

    Als Nachfolger von Sascha Hehn sind Sie nunmehr der fünfte und jüngste Traumschiff-Kapitän. Aber kann das gut gehen: Unser schwimmendes Kulturgut – befehligt von einem Halbwüchsigen?  Ich persönlich glaube, dass Sie das vielleicht gar nicht so schlecht machen. Zumal das Traumschiff womöglich nur die Fortsetzung der Musikanten-Treffen mit anderen Mitteln ist. Allerdings weht Ihnen jetzt, auf der Kommandobrücke, doch ganz schön viel Gegenwind um die Nase. Heide Keller, die in 36 Jahren als Traumschiff-Chefhostess Beatrice zur Institution wurde, zeigte sich zusammen mit weiteren Darstellern entsetzt, dass nunmehr ein Entertainer und Sänger die bekannteste deutsche Kapitänsmütze spazieren trägt. Sie als Kapitän, so der laute Aufschrei, seien „ein Schlag ins Gesicht für jeden ausgebildeten Schauspieler.“

    Wobei man fairerweise sagen muss, dass die Sache mit der Schauspielerei an dieser Stelle vielleicht doch etwas überbewertet wird. Wäre das ein Gradmesser, müsste das Schiff bei den Dreharbeiten immerzu halb leer sein.

    Außerdem war der warnende Satz zu lesen, dass „zu viel Silber und Eisen an Bord ein Schiff schnell in die Tiefe ziehen“ kann. Derweil es einem Witzbold gefiel, auf den Notruf „Alle Mann von Bord!“ zurückzugreifen. Ein anderer warnte eindringlich davor, dass man auf hoher See ab und an auf Fischer trifft.

    Wobei genau das wahrscheinlich längst geplant ist: Würden Sie nicht auch sagen, dass Helene Fischer eher über kurz als lang auf dem Traumschiff auftaucht? Alleine schon aus mathematischen Gründen: Silbereisen-Quote + Fischer-Quote + Traumschiff-Quote = Monster-Straßenfeger.

    Von nun an heißt es also für Sie: Traumjob statt Traumpaar – kann man mal so machen. Ob’s das richtige Fahrwasser und am Ende alles im Lot auf'm Boot ist, wissen wir an Weihnachten und an Neujahr, wenn Sie als Kapitän Max Prager die Karibik und Kolumbien ansteuern. Mit einem neuen stilechten Tattoo auf dem Arm: einem Kompass. Vielleicht stimmt ja die Richtung sogar - Heidewitzka, Herr Kapitän!

    Mit freundlichen Grüßen

    Frank Weichhan, Redakteur

     

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