• aktualisiert:

    GDL erntet Kritik und Verständnis

    Der sechste Bahnstreik in drei Monaten bewegt die Gemüter: Zwar fährt die Bahn wieder nach Fahrplan, doch für wie lange?... Foto: Jens Büttner, dpa

    Für diesen Streik fehlt einem jedes Verständnis. Streik ist ein elementares und legales Recht der Arbeitnehmer, berechtigte Forderungen durchzusetzen. Was aber hier geschieht, ist etwas anderes. Hier geht es um Macht von Funktionären und Organisationen. Dies ist meiner Ansicht nach nicht vom Grundgesetz gedeckt, da es einer ganzen Nation Schaden zufügt. Die Folgen des Streiks sind für viele Arbeitnehmer und die Volkswirtschaft verheerend. Für das Unternehmen und seine Mitarbeiter schädlich, auch Arbeitsplätze können verloren gehen, da langfristig bei den Kunden Vertrauen verloren geht. Außerdem wird durch diesen Streik das Verständnis für die Gewerkschaften und deren Ansehen massiv geschädigt.

    Lothar Fell, 97076 Würzburg

    Es ist unerträglich, wie bei allem Verständnis für die Zug fahrende Bevölkerung die Deutsche Bahn erneut Bahnreisende gegen die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) ausspielt und nach aktuellen Statistiken auch die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich weiß. Diese Stimmungsmache nutzt auch die Regierung aus und versucht nun verfassungswidrig, die Tarifautonomie und das Streikrecht gesetzlich einzuschränken. Falls das durchgesetzt wird, ist das hohe Gut des Streikrechts bald auch in anderen Berufssparten gefährdet. Ursache und Wirkung werden hier vertauscht: Seit vielen Jahren investiert die Bahn Milliarden Euro im Ausland und im Inland spart sie an Personal, Sicherheit, technischer Wartung und speist die mit vielen Überstunden belasteten Lokführer mit Löhnen ab, die im untersten europäischen Durchschnitt angesiedelt sind. Gleichsam erhöht sie die Fahrpreise und reduziert auch ohne Streik den Zugverkehr, sodass oftmals die Züge vollgestopft sind. Wir dürfen dankbar sein, dass die GDL völlig legitim hier für die Lokführer kämpft und damit auch anderen Berufssparten signalisiert, nicht alles klaglos hinzunehmen. Jene Bahnreisende, die heute über die GDL und zu Recht Streikenden schimpfen, sollten sich bewusst machen, ob ein übermüdeter, schlecht bezahlter und somit frustrierter Lokführer ihre eigene Sicherheit gewährleisten kann, sie sich nicht folgerichtig mit ihnen solidarisieren und ihre berechtigte Wut gegen die Deutsche Bahn richten sollten?

    Volker Wolf, 97082 Würzburg

    Interessant, wie viele Politiker den Streik vehement verurteilen. Dabei waren/sind sie es, die einen großen Anteil an der momentanen Situation tragen. Bis 1994 gab es die Deutsche Bundesbahn. Fähige Mitarbeiter hatten die Chance, nach einer mehrjährigen Ausbildung und entsprechenden Prüfungen, in die Laufbahn der Lokomotivführer einzusteigen. Sie wurden dann in den mittleren technischen Dienst als Beamte übernommen. Streik? Als Beamte nicht möglich. Das hat sich grundlegend mit der Einführung der Deutschen Bahn AG geändert. Beamte, die in den Ruhestand gingen, wurden/werden durch sogenannte Tarifkräfte ersetzt. Streik? Jetzt möglich! Abgesehen davon, dass das Streikrecht ein bedeutendes Grundrecht ist, ist der Alleingang der GDL nicht nur überzogen, sondern auch nicht nachvollziehbar. Es werden nicht nur Bahnfahrer geschädigt, auch die vielen gewerblichen Kleinbetriebe in den Bahnhöfen haben durch ausbleibende Kunden enorme Verluste. Die GDL ist eine relativ kleine Gewerkschaft. Ich verstehe nicht, warum die andere, wesentlich größere Gewerkschaft, die EVG, es nicht fertigbringt, einen Konsens mit der GDL zu finden, um dann gemeinsam die Verhandlungen mit der Bahn AG zu führen. Ich werde jetzt auch streiken: Nach über 55 Jahren als Mitglied, zunächst bei der GdED (Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands) und jetzt EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) werde ich, nach reiflicher, mehrtägiger Überlegung aus der Gewerkschaft austreten.

    Elmar Schürger, 97074 Würzburg

    Horch, horch der Zug kommt gleich ganz schnell äh, nein – ihn stoppt die GDL. All seine Räder stehen still, weil Klaus Weselsky es so will. Was bitte treibt denn diesen Mann zu diesen Streiks nun wirklich an? Als Kind trug er manch Blauhemd auf und sang dabei: Bau auf, bau auf! Vers zwei hat es ihm angetan und ward sein Ziel: Brich selbst die Bahn! Und deshalb ist des Meisters Schluss: Fahrt nicht mehr Bahn, fahrt nur noch Bus!

    Dr. Detlev Stupperich, 97846 Partenstein

    Die Hetzjagd gegen die GDL und besonders gegen ihren Chef Claus Weselsky erinnert fatal an die Kampagne gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Auch hier hat sich eine unsägliche Allianz aus Wirtschaft, Medien und Politik gebildet, um wie eine Wolfsmeute mit vollkommen unakzeptablen Mitteln über die Gewerkschaft und besonders ihren Vorsitzenden herzufallen. Ihm werden Machtspielchen, Egoismus und als Höhepunkt Geiselnahme eines ganzen Landes vorgeworfen. Ich würde mir gerne die gleiche Empörung wünschen, wenn Wirtschaftsimperien, unterstützt von Heeren von Juristen und sogenannten Experten ihre Egoismen und Machtspielchen in Form von Steuerhinterziehung, Leiharbeitsmissbrauch, Werkverträgen und Massenentlassungen anwenden, nicht um ihre Firmen zu retten, sondern die Gewinne zu optimieren und Mitbewerber zu überholen.

    Rudi Ryrko, 97285 Röttingen

    Eine sinnvolle Einrichtung sind Streiks, wenn der Nutzen volkswirtschaftlich vertretbar ist. Um dies zu erreichen, wäre ein Verfahren wie bei der Papstwahl eine brauchbare Lösung. Die Konfliktparteien werden bis zum übereinstimmenden Ergebnis in einen Raum gesperrt und dürfen erst nach weißem Rauchzeichen diesen wieder verlassen. Verschärfen ließe sich beim Bahnstreik das Ganze, wenn alle die damit verhandeln oder streiken, ein absolutes Autofahrverbot erhalten bis Einigung erzielt ist.

    Dieter Schäfer, 97080 Würzburg

    Politiker, Medienvertreter und vor allem der DGB, werfen der GDL Machtstreben vor. Na und? Es ist doch legitim, über die Werbung neuer Mitglieder die Machtposition zum Erreichen der tariflichen Ziele auszubauen. Parteien werben um neue Mitglieder zum Ausbau der Macht. Medien kämpfen um Zuschauer, Hörer und Leser. Nur dort heißt es nicht Macht, sondern Quote. Wie verlogen die Diskussion geführt wird, zeigt der Machtkampf um die Tarifhoheit beim Darmstädter Energieversorger HSE. Dort tobt ein Machtkampf zwischen den DGB-Gewerkschaften, ver.di und IG Metall um die Tarifzuständigkeit. Beide Gewerkschaften konnten sich nicht auf einen Zukunftstarifvertrag einigen, und die IG Metall schloss vor wenigen Wochen einen eigenen Tarifvertrag ab. Ver.di folgte mit einem eigenen Tarifvertrag einen Monat später. Zwei Tarifverträge, von zwei DGB-Gewerkschaften für alle Beschäftigten, in einem Unternehmen. So viel zum Kampf und der Unterstützung des DGB für eine gesetzliche Regelung der Tarifeinheit. Wo es dem DGB und den Unternehmen passt, da wählen sie jeweils zwischen Tarifpluralität und Tarifeinheit. Der GDL wirft man bei einem solchen Verhalten Machtstreben vor – bei DGB-Gewerkschaften ist das normale Tarifkonkurrenz. Wer im Glashaus sitzt, sollte eben nicht mit Steinen werfen.

    Günther Kinscher, 36179 Bebra

    Grundsätzlich kann es doch nur so sein, dass durch Streik der Arbeitgeber für den Interessenkonflikt zu belangen beziehungsweise zu schädigen ist. Nicht aber irgendein unbeteiligter Dritter, wie zum Beispiel Berufspendler, Urlaubsreisende, Paket- und Industriefracht. Wenn man diesen Vorgang auf das normale Leben überträgt, dann könnte das so aussehen: Jemand geht einkaufen und sagt an der Kasse, er bezahlt aber nicht, sondern der Nächste – also ein dritter Unbeteiligter – soll seine Rechnung bezahlen. Folgerung: Das geht nicht. Der Einkaufende muss seine Rechnung selbst bezahlen und kann sie nicht auf Dritte abwälzen. Die Streikenden haben für den Schaden, den sie gegenüber Dritten verursachen, aufzukommen. Resümee: Das Problem löst sich von selbst. Ab sofort wird nicht mehr gestreikt. So einfach ist das.

    Helmut Schmidt, 97234 Reichenberg

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!