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    Klimaschutz ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit

    Kattowitz hat Maßstäbe gesetzt: Bis 2050 werden wir ohne klimaschädliche Gase wirtschaften müssen. Die europäische Politik hat nachgezogen: Neuwagen sollen demnächst mit deutlich weniger CO2-Emissionen rollen. Die Stürme der Entrüstung aus Kreisen der Hersteller verlieren an Bedeutung – im Vergleich mit den Orkanen, mit denen sich die Klimakatastrophe ankündigt.

    Die Antworten mancher Funktionäre auf die beschlossenen Schritte sind erbärmlich: Es ist die Natur, die nur reagiert. Agieren tun wir. In der Schlussphase der Beratungen über neue Grenzwerte für Pkw und Lkw wollte nicht mal mehr die Bundesregierung ihre Rolle als Schutzengel der Autoindustrie aufrechterhalten. Weil sie ahnt, dass Druck (leider) nötig ist.

    Die Herausforderungen sind bereits seit langem bekannt

    Heute nicht zu wissen, wie man die Zielvorgaben für 2030 oder 2050 erreichen kann, ist kein Argument dafür, dass die Ziele falsch sind. In einer Vorlage der EU-Kommission wurde schon vor Jahren festgeschrieben, dass 2050 kein Fahrzeug mit herkömmlichen Antrieben mehr in die europäischen Städte fahren darf. Niemand soll so tun, als würde da gerade eine klimapolitische Wende vollzogen. Die Herausforderungen stehen seit langem fest.

    Dabei ist es falsch, den Eindruck zu erwecken, als müsse die Politik mit immer neuen Grenzwerten die Hersteller regelrecht disziplinieren. Die Vorgaben der EU, aber auch der Mitgliedstaaten sind keine Erziehungsinstrumente, sondern Leitlinien. Und die Unternehmen könnten wissen, dass eine ambitionierte EU vielleicht derzeit noch vorangeht, wenn es um neue Grenzwerte geht.

    Aber alle übrigen Länder werden folgen, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt – nicht wegen immer weiter sinkenden Emissionswerten, sondern wegen der immer heftigeren Reaktionen der Natur. Man muss gar nicht ökologisch argumentieren, um wirtschaftlich eine Chance zu wittern. Denn es geht um beides, das zusammengehört: Also auch um Marktanteile und Verkaufserfolge in einer Welt, die sich mehr und mehr bewusst wird, dass Klimaschutz kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit ist.

    Sowohl die Industrie als auch der Verbraucher müssen umdenken

    Doch dazu braucht man keine isolierten Lösungen in einzelnen Bereichen, sondern übergreifende Entwürfe. Autos müssen CO2 frei werden, das stimmt. Ein generelles Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen, wie es die Deutsche Umwelthilfe am Dienstag vorgeschlagen hat, klingt nach mehr als es wirklich leisten könnte. Punktuelle Fahrverbote sind ökologisch gesehen ein Witz. Zu einem klimapolitischen Ausweg werden alle diese Einzelmaßnahmen nur, wenn man Mobilität neu denkt.

    Dabei beweisen die Ingenieure längst, dass es technische Lösungen gibt, die den Notwendigkeiten entsprechen. Die Schuld für die ausbleibende Wende alleine den Unternehmen zuzuschieben, ist deshalb falsch. Der Verbraucher wird sich genauso verändern müssen.

    Tief greifende Einschnitte in die Lebenswirklichkeit

    Was in Kattowitz oder Paris, Brüssel oder Straßburg beschlossen wurde, darf nicht ohne Folgen bleiben. Wer sich beklagt, dass die Grenzwerte für Fahrzeuge nicht genug gesenkt werden oder dass die 200 Staaten in Polen eine Erderwärmung von 1,5 statt zwei Grad akzeptiert haben, muss wissen, wie tief dies in die eigene Lebenswirklichkeit einschneidet – und dazu bereit sein.

    Denn das ist das eigentliche Manko der Klimaschutzpolitik: Sie hat ihre Alibis entdeckt. Grenzwerte sind gut, notwendig, richtig. Aber sie verführen dazu, sich nach einem gefundenen Kompromiss zurückzulehnen und zu sagen: Es wurde alles getan. Tatsächlich bleiben selbst ambitionierte Klimaschutz-Ziele nichtssagend, wenn sie nicht ausgefüllt werden.

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