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    Augsburg

    Kommentar: Der Fall Thomas Cook - ein Fanal für die Reise-Welt

    Zwei Passagiere warten sitzend auf ihren Koffern neben dem Büro von Condor und Thomas Cook im Flughafen Palma de Mallorca. Foto: Clara Margais, dpa

    Pauschalreise - das war mal ein Zauberwort. Wenn alle in der Gruppe dasselbe buchen, dann lässt sich auch mehr für viele erschwinglich organisieren: Dieses Prinzip hat Thomas Cook vor über 175 Jahren erfunden. Und so den modernen Massentourismus. Wenn der daraus entstandene globale Konzern nun am Ende ist, erzählt das darum nicht nur etwas über die Situation in dieser Milliardenbranche. Es sollte auch an Millionen Kunden eine Botschaft sein, die in diese Tage passt, in denen es dringende Gründe gibt, Verhalten und Konsum zu hinterfragen.

    Denn beides kommt ja in einem zusammen: dem Preis. Der Wettkampf gerade im Massensegment hat sich in den vergangenen Jahren so gnadenlos zugespitzt, dass nur noch wenige, dafür aber umso weiterverzweigte Großkonzerne übrig geblieben sind. Vom Veranstalter über die Fluggesellschaft und das Kreuzfahrtschiff bis zum Hotel: Mit ihrem Rundum-Portfolio und immer größeren unter ihrem Dach gesammelten Pauschalmassen konnten sie einen immer weiter wachsenden Markt mit immer noch abenteuerlicheren Angeboten bedienen. Und darauf sprangen die Konsumenten eben an: jederzeit mit Sonderangeboten in alle Welt. Hauptsache Meer, Hauptsache billig und so lange wie möglich - so ist die Cook-Idee gewachsen.

    Auf der Jagd nach Schnäppchen verramschen wir unseren Planeten

    Mit der Folge, dass immer noch mehr Menschen sich das Reisen leisten können. Denn nur über das immer weitere Marktwachstum ist der Druck im immer heftigeren Preiskampf ja noch halbwegs profitabel aufzufangen. Und der Börsenkurs stabil zu halten, weil ja nur die Erwartung von noch mehr Wachstum die Anleger überzeugt. Aber letztlich profitiert doch so auch der König, der Kunde …

    Mehr, weiter, billiger. Und wer anderes, Exklusiveres will, muss halt tiefer in die Tasche greifen. Bloß dass der Pauschalkunde dann doch allergisch regiert, wenn er sich für seinen Sparpreis dann allzu offensichtlich als Massenvieh abgefertigt sieht. Sich in gespenstische Hotelburgen, an vermüllte Strände verfrachtet oder mit irgendwelchen Nöten von Einheimischen konfrontiert sieht …

    Aber blöd halt, dass der Kapitalismus seine eigenen Grundlagen frisst. In der Reisebranche war das schon zu erkennen, als die Klima- und Umweltkrisen noch nicht so präsent im Bewusstsein waren. Umso mehr aber muss nun, da sie es sind, der Fall Thomas Cook auch ein Fanal für die ganze Reisewelt sein. Und zu der gehört eben nicht nur die global wettkämpfende Branche, sondern auch der global mit Schnäppchen machende Kunde. Denn auf Turbomärkten und auf der Jagd nach Online-Schnäppchen verramschen wir unseren Planeten. Nein, es kann so nicht mehr weitergehen!

    Die Preise für das Reisen müssen wieder in Relation zu den Kosten stehen

    Darum kann es nur richtig sein, wenn die Politik den Konzern nicht auch noch mit Steuergeldern stützt. Aber es muss auch klar sein, dass sich am herrschenden Prinzip etwas ändert. Und das ist eben nicht nur Sache der Politik. Die muss zwar auch dafür sorgen, dass die Preise für das Reisen wieder in Relation stehen zu den Kosten, die sie ganzheitlich verursachen - also auch durch Schäden in der Umwelt. Sondern es geht auch darum, als Kunde wieder eine Verantwortung zu erkennen, weil wir diese Branche ja mitprägen.

    Wer jedenfalls in der klassischen Pauschalmanier denkt, hier gäbe es zu wunderbar erschwinglichen Preisen noch herrliche Rundum-Sorglos-Pakete abzugreifen, der befördert einen mörderischen Markt mit all seinen dramatischen Folgen. Und hat darum nicht verstanden, dass es sich nicht nur um das eigene Wohl und die eigene Erholung zu sorgen gilt. Mehr, weiter, billiger? Das Cook-Prinzip in moderner Übersteigerung muss sterben.

    Wolfgang Schütz

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