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    Würzburg

    Kommentar: Der Klimaschutz braucht den Aufschrei der Schüler

    Um die 1000 Schülerinnen und Schüler demonstrierten erstmals am 18. Januar in der Würzburger Innenstadt gegen den Klimaw... Foto: Daniel Peter

    Wussten Sie, dass Deutschland aller Voraussicht nach seine Klimaziele für das Jahr 2020 nicht erreichen wird? Gefordert war, im Jahr 2020 40 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen, als im Jahr 1990. Schaffen wird das Land voraussichtlich jedoch nur 32 Prozent, wie aus dem Klimaschutzbericht 2018 hervorgeht. Genau aus diesem Grund gehen Jugendliche seit Wochen unter dem Motto „Fridays For Future“ in Deutschland auf die Straßen, um für schärfere Maßnahmen gegen den Klimawandel zu protestieren. Auch in Würzburg haben sich am vergangenen Freitag wieder junge Menschen versammelt. Diesmal jedoch nach der Schule, um drohenden Konsequenzen, wie Verweisen, aus dem Weg zu gehen. Ein Schulstreik, der nach der Schule stattfindet, ist aber der falsche Weg.

    Die Schule zu bestreiken heißt, Unruhe zu erzeugen, den Alltag durcheinanderzubringen und somit die volle Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. Anstatt in die Schule zu gehen, entschließen sich die Schüler für einen Akt zivilen Ungehorsams.

    Bildung ist ein wertvolles Gut, was vielen jungen Menschen in anderen Ländern der Erde verwehrt bleibt. Bildung ist in vielen Dingen unerlässlich, so auch im Kampf gegen den Klimawandel, das lässt sich nicht abstreiten. Dennoch, oder gerade deswegen, machen die demonstrierenden Schüler durch das Schwänzen der Schule auf einen Punkt besonders aufmerksam: Wenn die Erwachsenen für die zukünftigen Generationen den Planeten nicht schützen, warum sollten dann die jungen Menschen zur Schule gehen?

    Durch den Boykott bauen die Schüler politischen Druck auf

    Die Schüler stehen auf für mehr Aufmerksamkeit auf eine nachhaltige Klimapolitik, sie sehen dringenden Handlungsbedarf und beziehen sich hierbei auf zahlreiche Klimaforscher, die ohne einen Wandel schwarz sehen für die Zukunft des Planeten. Durch das Streiken des Unterrichts werfen die Schüler die geordneten Verhältnisse für einen Tag lang aus der Bahn. So geben sie ihren Forderungen eine Stimme und bauen durch den Boykott des Unterrichts politischen Druck auf. Und damit tun sie das, was ältere Generationen schon lange von ihnen erwarten: Mehr Engagement in der Politik zeigen.

    Dass eine solche Bewegung eine wirksame Form des Widerstandes für Jugendliche sein kann, beweist ein 2009 veranstalteter bundesweiter Bildungsstreik. In diesem Jahr gingen Tausende Schüler und Studenten auf die Straßen, um unter anderem gegen das dreigliedrige Schulsystem und das achtjährige Gymnasium zu protestieren. Zwar konnte die Streikbewegung nicht das G8 verhindern, allerdings eine gesellschaftliche Debatte über den Wert von Bildung anstoßen.

    Schulleiter sollten das Engagement schätzen

    Einige Schüler nahmen aus Angst vor Konsequenzen nicht an der Klimaschutz-Demo teil, obwohl sie das gerne täten. Das Beispiel eines Gymnasiums in München könnte auch in Unterfranken ein Lösungsvorschlag sein. Dort haben die Schüler mit dem Schulleiter eine Abmachung ausgehandelt: Wer an der Demo teilnehmen will, kann sich einen Befreiungsantrag von den Eltern unterschreiben lassen. Der verpasste Stoff muss dann selbstverständlich in der Freizeit nachgeholt werden.

    Nur wenn die Schüler fehlen und mit diesem Tabubruch ein Zeichen setzen, kann das Thema als wichtige und unabdingbare Chance für den Unterricht erkannt werden. Die Pädagogen werden gezwungen, sich mit den Schülern und mit dem Thema auseinanderzusetzen. Denn das einzig Wichtige ist doch, dass sich junge Menschen mit dem Klimawandel und dessen Folgen beschäftigen. Dass sie die Missstände ansprechen, sich interessieren, sich einbringen und Gehör finden.

    Anstatt also wie an manchen Würzburger Schulen das Schwänzen mit Verweisen zu ahnden, sollten mehr Schulleiter das Engagement ihrer Schüler schätzen und bereit sein, Kompromisse einzugehen. Die Jugendlichen dürfen nicht ausgebremst werden, im Gegenteil: Ihr Mut sollte belohnt werden. Denn nur, wenn alle an einem Strang ziehen, kann es in der Klimapolitik bergauf gehen.

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