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    Kommentar: Es grünt so grün im Land der Kompromisse

    Im Land der Sonnenblumen? Die Grünen könne sich derzeit über ungewöhnliche Zustimmung freuen.   Foto: Patrick Seeger, dpa

    Irgendwie wirkt die aktuelle politische Lage in Deutschland unwirklich. Da hangeln sich die Parteien der regierenden Koalition in Umfragen von einem Negativrekord zum nächsten. Da wird die Union gar von den Grünen übertroffen, während die SPD froh sein muss, noch drittstärkste Kraft zu sein. Auf der anderen Seite regiert die Große Koalition weiter, findet Kompromisse und arbeitet Stück für Stück ihren Koalitionsvertrag ab.    

    Bis auf die bedingungslose Grundrente, können die Regierenden in Berlin derzeit eines gut:Kompromisse schmieden, um die Regierung am Laufen zu halten. In der Hoffnung auf bessere Zeiten? Kompromisse sind ein ganz wesentlicher Bestandteil von Politik. Wer die unterschiedlichsten Interessen einer Gesellschaft einigermaßen in Politik gießen will, braucht diese Kompromisse und dazu fähige Politiker.  

    Sind die Deutschen kompromissmüde?

    Aber es braucht auch ein Volk, das diese Kompromisse goutiert. Danach schaut es derzeit schon viel weniger aus. Logischerweise fällt es Oppositionsparteien immer leichter, eine klare und kompromisslose Politik zu formulieren und damit Wählerinnen und Wähler zu überzeugen.  Denn die Grünen werden auch wegen ihrer kompromisslosen Haltung in Sachen Klimaschutz und Umwelt gewählt. Und im Osten gewinnt die AfD wegen ihrer kompromisslosen Haltung in der Flüchtlings- und Asylpolitik. 

    Ist das Volk kompromissmüde, will es klare Kante statt Interessenausgleich? Das allein greift zu kurz. Vielmehr haben sich Union und SPD über die vielen Kompromisse ihrer langen Regierungszeit sehr angeglichen. Wofür steht eigentlich noch die SPD? Wo ist das klassisch konservative bei der Union?    

    Die Grünen sind da klar. Hinzu kommt die Fridays-for-future-Bewegung, die einem ihrer wichtigsten Themen mediale Aufmerksamkeit beschert, wie lange nicht mehr. Zuvor hatten sie nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima extrem hohe Werte. Ein Thema das Angela Merkel geschickt mit dem Ausstieg aus der Atomenergie abräumte. 

    Die Grünen zeigen Flagge

    Ähnliches gelang ihr in der Flüchtlingskrise nicht. Im Gegenteil, nach anfänglicher Euphorie kippte die Stimmung und Merkel bekam vor allem aus den eigenen Reihen Druck. Das stärkte die AfD statt sie klein zu halten. Doch auch bei diesem Thema sind es die Grünen, die am klarsten Flagge zeigen. Wer verhindern möchte, dass Populisten oder von Rechtsextremen unterwanderte Parteien die Flüchtlings und Zuwanderungspolitik beeinflussen, findet diese Haltung vor allem in der Umweltpartei.     

    Diese inhaltliche Klarheit und die Köpfe, die derzeit grüne Politik vertreten, machen die einst als Ökopaxe belächelte Partei fast zu einer Volkspartei. In Baden-Württemberg stellen sie den Regierungschef. In vielen Großstädten sind sie auf dem Sprung größte Partei zu werden, oder dort schon gelandet. Auch in Würzburg hat der Grüne Patrick Friedel der CSU das Direktmandat abgenommen, waren die Grünen bei der Europawahl erneut stärkste Kraft.

    Doch es wäre falsch diese Erfolge nur geographisch oder mit dem hohen Anteil der Jungwähler zu begründen. Tatsächlich sind vor allem die Erstwähler Grün-Wähler. Der Anteil der über 60jährigen ist ebenso deutlich gestiegen. Die Zahl derer, die sich vor einer grünen Verbotspartei fürchten, schrumpft.  Und selbst im Osten, wo Linke und AfD besondes stark sind, haben die Grünen ihre Ergebnisse, wenn auch auf niedrigerem Niveau, nahezu verdoppeln können, während SPD und Union verlieren. 

    Schon schießen Gerüchte ins Kraut, die Grünen würden sich schon auf die Übernahme der Regierungsverantwortung, gar des Kanzleramtes vorbereiten. Doch dazu bräuchte es dann eben wieder genau der Kompromisse, unter denen die aktuelle Koalition so leidet. 

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