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    Kommentar:Fliegen muss endlich wieder teurer werden

    Am besten wäre es, der Markt bekäme das Problem alleine in den Griff. So würde die vom schottischen Philosophen und Ökonomen Adam Smith beschworene „unsichtbare Hand“ alles zum Besten fügen. Trotz des Wunsches vieler nach billigen Flugreisen stünde am Ende ein Zustand, der dem Gemeinwohl nicht abträglich ist, also dem Klima keinen nachhaltigen Schaden zufügt.

    Doch weil der Gesetzgeber den Einzelnen keine wirkungsvollen Grenzen setzt, bricht sich Geiz-ist-geil-Gier Bahn und es treten massive Beeinträchtigungen auf, die das Leben aller negativ beeinflussen. Der Luftverkehr ist dafür ein abschreckendes Beispiel. Durch die gut gemeinte Liberalisierung des Wirtschaftszweiges wurde Fliegen günstiger. Die wünschenswerte Demokratisierung begünstigt Unternehmen wie Ryanair oder Easyjet und hat in Europa Zehntausende neue Arbeitsplätze geschaffen. Im Sinne des Aufklärers Adam Smith entstand also „Wohlstand“. Dumm ist nur, dass sich bald herausstellte: Auf Dauer ist das Gut nicht gut für die Umwelt.

    Der moderne Ablasshandel reicht bei weitem nicht

    Das wiederum – und hier funktioniert der Markt – schuf eine Industrie für das schlechte Gewissen, die Flugscham-Branche. Passagiere können ihr Gewissen erleichtern, indem sie einen Ausgleichsbeitrag für ihren „CO2-Fußabdruck“ entrichten, den sie als Passagier hinterlassen. Für einen Flug von München nach New York und zurück werden so etwa 63 Euro fällig.

    Zwar ringen sich mehr Bewusst-Bürger zu einer derartigen Zahlung durch, dank der etwa in Nicaragua Öko-Strom aus Windkraft erzeugt wird. Letztlich reicht der moderne Ablasshandel aber bei weitem nicht, um die Beschleunigung der Klimakatastrophe auch nur abzuschwächen. Weder die unsichtbare noch die wohlmeinende Hand vermögen dem berechtigten Anliegen der „Generation Greta“ nach Erhaltung der Schöpfung Rechnung zu tragen. Der Sündenberg wird nicht kleiner, wenn sich Einzelne für ihre Sünden mit kleinen milden Gaben bestrafen.

    All das untergräbt auch nicht das Geschäftsmodell der Billigflieger. Im Gegenteil. Es tummeln sich viele Anbieter auf dem wachsenden Markt am Himmel. Lufthansa-Finanzchef Ulrik Svensson spricht daher von „Überkapazitäten, aggressiven Preiskämpfen und preissensibler Nachfrage“. So flog die Lufthansa-Billigtochter Eurowings in die roten Zahlen.

    Manche fliegen nur deshalb, weil es so günstig ist

    Doch Ryanair, die Mutter des Preiskampfes, liefert trotz zuletzt erlittener Einbrüche immer noch erquickliche Gewinne ab. Das ökologisch negative Geschäft der Billigheimer erledigt sich also nicht von selbst. Am Ende bleiben weniger und größere solcher Airlines übrig, die aber dennoch mehr Passagiere befördern.

    Und wer bei dem Flug nach New York auf die 63 Euro Ablass durch CO2-Kompensation verzichtet, kann sich bei geschickter Suche einen, wenn nicht zwei Schnäppchen-Flüge mit Ryanair – und das hin und zurück – sichern. Das führt zu massiven Fehlsteuerungen: Manche treten Flugreisen nur an, weil sie derart billig sind. Dabei lehrt die Erfahrung, dass sich die meisten Menschen eines solchen Verhaltens nicht schämen, sondern auch noch stolz darauf sind.

    Daher ist die sichtbare und harte Hand des Staates gefragt. Er steht in der Pflicht, den Öko-Deckel auf den Luftverkehrstopf zu setzen, was selbst CSU-Mann Alexander Dobrindt mit seinem Ruf nach „Kampfpreis-Steuern“ erkannt hat. Fliegen muss teurer werden. Durch Steuern sollte der Staat ökologisch steuern, so dass die „Generation Greta“ auch in 50 Jahren eine lebenswerte Umwelt vorfindet. Die Botschaft für die „Generation Spaß“ lautet deshalb: Sie muss bewusster, also weniger fliegen.

    Von Stefan Stahl red.politik@mainpost.de

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