• aktualisiert:

    Kommentar: Liebe Mädchen, liebe Jungen . . .

    Kommentar: Liebe Mädchen, liebe Jungen . . .
    _

    Normalerweise stehen an dieser Stelle Sätze für Erwachsene. Die allermeisten Leser des Leitartikels sind nämlich über 18 Jahre alt. Natürlich dürfen auch jüngere Menschen den wichtigsten Meinungsbeitrag der Zeitung lesen. Aber wir Journalisten nehmen beim Leitartikelschreiben keine besondere Rücksicht auf Kinder und Jugendliche. Wir verwenden Fremdwörter, setzen politisches Vorwissen voraus und schreiben manchmal ziemlich lange Sätze.

    Heute ist das anders. Heute schreiben wir den Leitartikel für Kinder. Natürlich dürfen auch Erwachsene den Text lesen. Wir wollen ja niemanden ausschließen. Aber wir nehmen heute auf sie keine Rücksicht. Mit diesem Leitartikel wollen wir vielmehr zeigen: Kinder sind uns wichtig, als Leser und vor allem als Mitmenschen. Indem wir diesen wichtigen Platz in der Zeitung Kindern widmen, setzen wir noch ein Zeichen: nämlich dass wir es wichtig finden, die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen. Politiker sollen endlich ihre Hausaufgaben machen und die Kinderrechte im wichtigsten deutschen Gesetz verankern. Seit fast 30 Jahren diskutieren sie zwar darüber, haben aber keine Gesetzesänderung geschafft. In der Schule hätte es dafür längst eine 6 gegeben.

    Kinder haben ein Recht darauf, ihre Meinung zu sagen

    Bereits am 20. November 1989 haben die Vereinten Nationen das Übereinkommen über die Rechte des Kindes aufgeschrieben. Dieses Übereinkommen hat einen komplizierten Namen: Kin-der-rechts-kon-ven-tion. Zu den Vereinten Nationen gehören fast alle Länder der Welt, auch Deutschland. Bis auf die USA haben alle Länder die Kinderrechtskonvention unterschrieben. Das heißt: Sie haben versprochen, die Rechte der Kinder zu achten, zu fördern und zu schützen. Genauer: Dass Kinder gleichbehandelt werden müssen und nicht wegen ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder ihrer Religion benachteiligt werden dürfen. Dass sie ein Recht auf ein gewaltfreies Aufwachsen und auf Bildung haben. Sowie auf sauberes Trinkwasser und gesundes Essen. Und dass sie ihre Meinung sagen dürfen.

    Weil die Kinderrechtskonvention so eine tolle Sache war und ist, wird jedes Jahr am 20. November an die Internationalen Kinderrechte erinnert. Und auch daran, dass viele Länder sich immer noch nicht gut an das Übereinkommen halten, obwohl sie es versprochen haben.

    Viele Erwachsene müssen lernen, besser zuzuhören

    Im Vergleich zu vielen anderen Ländern geht es Kindern in Deutschland recht gut. Obwohl die Kinderrechte noch nicht im Grundgesetz stehen, haben Kinder jetzt schon Rechte. Schließlich gilt das Grundgesetz für alle Bürgerinnen und Bürger, ob jung oder alt, klein oder groß. Es ist unsere Verfassung und regelt unser Zusammenleben in Deutschland. Viele finden aber: Die Kinderrechte sollten extra hervorgehoben werden. Die Bundesregierung sieht das auch so und arbeitet deshalb gerade an einem Gesetzesentwurf. Das ist ein Vorschlag für ein neues Gesetz. Bis Ende dieses Jahres soll er fertig sein. Wenn genug Politiker im Bundestag und Bundesrat dafür stimmen und der Bundespräsident das neue Gesetz dann unterschreibt, tritt es in Kraft. Dann müssen sich alle daran halten.

    Wenn alles gut geht, dann müssen also Richter in ihren Urteilen bald stärker an das Wohl von Kindern denken. Politiker müssen häufiger Kinder bei Entscheidungen berücksichtigen – schließlich geht es dabei ja auch um eure Zukunft. Und viele Erwachsene müssen lernen, Kindern mehr zu zuhören und deren Meinung ernst zu nehmen – und zwar nicht erst, wenn Tausende demonstrieren und die Schule schwänzen. Denn: Ihr Kinder dürft zwar noch nicht wählen, aber ihr habt schon was zu sagen.

    Von Lea Thies red.politik@mainpost.de

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!