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    Würzburg

    Kommentar: Mutige Frauen üben Druck auf die Kirche aus

    Die Bewegung "Maria 2.0" hat es satt, sich weiterhin schweigend der Dominanz katholischer Würdenträger zu unterwerfen
    Protestaktion 'Maria 2.0', auch die Vorstandsmitglieder Karin Post-Ochel (links) und Erika Michelsen vom Katholischen Frauenbund in Kitzingen machen mit. Hier hängen sie in der katholischen Stadtkirche St. Johannes Thesen der Aktion.
    Protestaktion "Maria 2.0", auch die Vorstandsmitglieder Karin Post-Ochel (links) und Erika Michelsen vom Katholischen Frauenbund in Kitzingen machen mit. Hier hängen sie in der katholischen Stadtkirche St. Johannes Thesen der Aktion. Foto: Andreas Brachs

    Die Kirchenoberen dulden seit jeher in ihrer Mitte lediglich eine Frau: Maria. Und das auch nur auf ihrem Sockel. "Da steht sie. Und darf nur schweigen", heißt es in einem Offenen Brief an Papst Franziskus. Absender der kirchenkritischen Zeilen ist die "Aktion Maria 2.0". Die in Münster gegründete Frauen-Initiative hat sich vorgenommen, das weibliche stumme Duckmäusertum nicht länger klaglos zu praktizieren. Sie will die Gottesmutter symbolisch runter holen vom Podest und sie als eine Schwester zeigen, als eine Mutter und als eine Frau, die gehandelt und gelitten hat: Maria 2.0 – das neue katholische Frauenbild im digitalen Zeitalter. 

    Auch wenn die Kernforderungen der engagierten katholischen Frauen bereits Patina angesetzt haben, gibt es an deren Berechtigung keinen Zweifel: Egal, ob es sich um den Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche,  die Aufhebung des Pflichtzölibats oder die Ausrichtung der kirchlichen Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen handelt – es sind überfällige Reformen, denen sich die Kirche freilich beharrlich verweigert.

    "Die Angst in der Kirche hat Methode"

    Erst vor wenigen Tagen hat eine Studie den Kirchen in Deutschland drastisch vor Augen geführt, wie düster sich ihre Zukunft darstellt.  Demnach werden die Mitgliederzahlen beider Kirchen bis 2060 um etwa die Hälfte zurückgehen – von 44,8 auf 22,7 Millionen. Dabei ist nur etwa die Hälfte des prognostizierten Mitgliederrückgangs auf den demografischen Wandel zurückzuführen. Die anderen 50 Prozent basieren auf hausgemachten Problemen. Es ist also höchste Zeit, neue Zugänge zu Menschen zu finden, die sich zwar mit der christlichen Botschaft identifizieren können und sich dafür auch einsetzen, aber kein Interesse mehr an überlebten kirchlichen Strukturen und Machtdemonstrationen haben.

    Das sehen etliche Geistliche und Kirchenangestellte genauso. Die meisten äußern ihre Unzufriedenheit allerdings nur hinter vorgehaltener Hand. Sie fürchten Konsequenzen durch ihren Arbeitgeber. Diese Erfahrung hat auch Lisa Kötter, eine der Initiatorinnen von "Kirche 2.0" gemacht. Ihre Bewegung bekommt zahlreiche Zuschriften von kirchlichen Mitarbeitern, die Wert darauf legen, anonym zu bleiben. "Es gibt Fälle, da haben Mitarbeiter unsere Facebook-Seite geliked und wurden zum Personalchef in ihrem Bistum zitiert. Die Angst in der Kirche hat Methode, sie hält Redeverbote aufrecht. Das ist ganz schlimm."

    Das stumme Duckmäusertum ist hoffentlich ein für allemal Vergangenheit.

    Lisa Kötter und ihre täglich wachsende Zahl an Mitstreiterinnen haben sich dafür entschieden, Zustände wie diese nicht länger nur zu beklagen, sondern etwas dagegen zu tun. Sie wollen kämpfen für einen Weg, "der es uns und auch den nachfolgenden Generationen nicht nur erträglich macht, sondern sogar Freude, in dieser Kirche zu bleiben!" Mit ihrem bundesweiten Kirchenstreik setzt "Maria 2.0" jetzt ein erstes dickes öffentliches Ausrufezeichen. Das stumme Duckmäusertum gehört damit hoffentlich der Vergangenheit an.

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