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    Würzburg

    Kommentar zum Upskirting: Mein Intimbereich ist meine Privatsphäre!

    Über 80 000 Menschen haben die Petition "Verbietet #Upskirting in Deutschland" von Hanna Seidel (rechts) und Ida Marie Sassenberg bereits unterschrieben. Foto: Linda Vogt, dpa

    Über 80 000 Menschen haben ihre Petition bereits unterschrieben: Hanna Seidel und Ida Marie Sassenberg fordern, dass das heimliche voyeuristische Fotografieren unter den Rock, das sogenannte Upskirting (von englisch up (hoch) und skirt (Rock)), auch in Deutschland ein Straftatbestand werden soll – konkret fordern sie die Einordnung als sexuelle Belästigung

    Bisher wird Upskirting in Kriminalstatistiken nicht erfasst. Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Unterstützung für ihren Vorstoß erhalten Seidel und Sassenberg vom Deutschen Juristinnenbund. Weitere Unterstützung kommt aus der Politik, so signalisierte der Baden-Württembergische Justizminister Guido Wolf seine Bereitschaft, das Upskirting unter Strafe zu stellen. Ein wichtiger erster Schritt. Aber das ist noch lange nicht genug. Wir brauchen eine eindeutige Gesetzgebung – auf Bundesebene.

    In England ist es beispielsweise bereits verboten, Fremden unter den Rock zu fotografieren. Damit sind uns die Briten weit voraus. Dies brachte Seidel auf die Idee, eine Kampagne für Deutschland zu starten. Seidel war selbst Opfer von Upskirting, einmal mit 16 Jahren auf einem Festival. Bei diesem Übergriff bat sie Polizisten um Hilfe, diese schritten jedoch nicht ein. Die Erklärung: Sie könnten nichts machen. Hier zeigt sich das Problem der Rechtslage – und die Hilflosigkeit, mit der Frauen zurück gelassen werden. Selbst, wenn man den Täter stellt, sind der Polizei die Hände gebunden. 

    Die Fotos landen unter anderem auf Pornoseiten im Internet

    Die Fotos, die sogenannten Upskirts, landen häufig im Internet – ein Albtraum, der für immer mehr Frauen traurige Realität wird. Nach Recherchen der Autorin Isabell Beer für die "Zeit" sind solche Fotos beispielsweise auf der Pornoplattform xHamster zugänglich, einer Seite mit 15 Millionen registrierten Usern – und die 21.-meist geklickte Webseite in Deutschland. 15 Millionen User, von denen schon einzelne hunderte Bilder oder Videos hochgeladen haben – dies zeigt die Dimension des Problems: Dort sind Frauen zu sehen, die in der U-Bahn ein Kleid trugen oder auf einer Rolltreppe stehen, und nicht bemerkt haben, dass sie fotografiert oder gefilmt worden sind. 

    Noch einmal: Einer Frau, die mit einem Rock einfach nur in der Stadt unterwegs ist, kann es leicht passieren, dass ein Foto ihres Intimbereichs auf einer Pornoplattform landet. Im schlimmsten Fall ist die Frau zu erkennen. Ein Handy haben viele in der Hand, ein Foto ist schnell geschossen und mit ein paar Klicks hochgeladen – und weltweit kann es jeder sehen: der Nachbar, der Kollege, der Mann auf der Straße. Dieser Gedanke ist schwer zu ertragen. Und dann hat die Frau, selbst wenn sie es bemerkt, kaum eine Chance, sich zu wehren. Denn das gibt die Gesetzgebung nicht her.

    Was aber sind heimliche Fotos vom Intimbereich anderes als sexuelle Belästigung?

    Die Rechtslage besagt, dass die "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen" nur greift, wenn das Bild in geschlossenen Räumen entstand oder im privaten Bereich. Aber selbst, wenn weitere Fotos erfasst werden würden: Das reicht nicht. Denn es würde nur das Fotografieren unter Strafe gestellt, nicht aber das, was mit den Fotos danach geschieht. 

    Ein solches Foto ist ein Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung

    Die Forderung, Upskirting als sexuelle Belästigung zu werten, ist also unbedingt der richtige Weg. Seidel hat erklärt, was sie so umtreibt: Wie viele Männer befriedigen sich nun mit einem Foto von meinem Intimbereich? Unfreiwillig im Schritt fotografiert zu werden und als Masturbationsvorlage missbraucht zu werden, ist ein Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung – und eine Vorstellung, die mich als Frau anekelt. Hier muss der Gesetzgeber eingreifen.

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