• aktualisiert:

    Leitartikel: Deutschland muss sich vor China in Acht nehmen

    Nicht alles, was Donald Trump sagt, ist fragwürdig. In Ausnahmefällen hat der US-Präsident Recht, auch wenn er in populistischer Manier maßlos übertreibt. Wenn der Amerikaner die Europäer warnt, Technik für die neue Mobilfunkgeneration 5G nicht beim chinesischen Huawei-Konzern zu kaufen, macht er mal keine Mücke aus einem Elefanten. Denn Trump verweist auf ein reales und gewichtiges Problem: Es besteht die Gefahr, dass auf Druck der kommunistischen Machthaber in Peking der Telekom-Konzern des Landes sensible Daten über seine in Deutschland verbaute Technologie abschöpft. Dafür gibt es zwar noch keine Beweise, aber Experten heben doch warnend den Zeigefinger Richtung Angela Merkel. Die Kanzlerin hat die Botschaft verstanden und verlangt von China Sicherheiten für den Einsatz von Huawei-Technik beim Ausbau des 5G-Netzes, das 100 Mal schnellere Übertragungen als der weit verbreitete Standard 4G ermöglicht.

    Die neue Technologie muss optimal geschützt werden

    Die rechtliche Lage in China ist nämlich problematisch: Jan Weidenfeld, Experte des Mercator Instituts für China-Studien, verweist darauf, dass Unternehmen wie Huawei gegenüber der Regierung in Peking auch Datenströme von Netzen außerhalb des Landes offenlegen müssen. Deshalb fordert er Deutschland auf, zumindest keine Aufträge für kritische Technik an Huawei zu vergeben. Dabei sollte man die Chinesen nicht gänzlich ausschließen. Unproblematischere Teile können sie ruhig zuliefern.

    Letztlich bleibt Deutschland nichts anderes übrig, als die neue 5G-Technologie optimal zu schützen und auf europäische Anbieter wie Ericsson, Nokia oder Mittelständler zurückzugreifen. Dabei gilt es, den Nachteil in Kauf zu nehmen, dass diese Lösungen teurer als Angebote chinesischer Riesen wie Huawei sind. Dabei werden die Dienste der Asiaten bei der Revolution des Mobilfunks auch deshalb gerne in Anspruch genommen, weil sie intensiver auf Kundenwünsche eingehen und als innovationskräftiger gelten.

    Doch Sicherheit muss vor Kostenbewusstsein gehen. Dafür genügt ein Blick auf die Anwendungsmöglichkeiten der 5G-Technik. Sie wird beim Autonomen Fahren zum Einsatz kommen. Hier fallen natürlich sensible Daten an: Wann fährt wer von A nach B? Wo stoppt er? Wie schnell ist er unterwegs? Gleiches gilt für Informationen, die sich in den Wohnungen und Häuser der Menschen abschöpfen lassen. Was essen die Deutschen? Wann gehen sie schlafen?

    China könnte Daten von Unternehmen erbeuten

    Noch interessanter dürften für die Chinesen aber die in Unternehmen zu erbeutenden Daten sein. Mercator-Experte Weidenfeld warnt zu Recht vor „einem Einfallstor für Wirtschaftsspionage“. China ist eben kein normales, sondern ein staatskapitalistisches und ökonomisch-imperialistisches Land, dessen Führung sich mit dem Programm „Made in China 2025“ verordnet hat, 2049 – zum 100-jährigen Gründungsjubiläum der Volksrepublik – wirtschaftlich ganz vorne mitzuspielen.

    An solch langfristigen Zielen mangelt es in Demokratien wie Deutschland. Deshalb muss Merkel dazwischen grätschen, wenn wie bei der 5G-Technologie langfristiger Schaden droht. Dabei darf die Kanzlerin ruhig mal auf Trump hören. Sie wird sich von ihm aber keinen Bären aufbinden lassen: Denn auch Amerikaner beherrschen Wirtschaftsspionage, sollen sogar Kanzlerinnen-Handys abhören können und nennen Daten-Fressmonster wie Facebook ihr Eigen. Am Ende ist es schade, dass sich der deutsche Siemens-Konzern nach Misserfolgen aus dem Handy- und Telekom-Ausrüstungsgeschäft zurückgezogen hat.

    Von Stefan Stahl red.politik@mainpost.de

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!