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    Leitartikel: Die G7 und die Frage nach dem Sinn

    Wer erinnert sich noch an die Beschlüsse des G7-Gipfels im Juni 2018 im kanadischen La Malbaie? Welche konkreten Ergebnisse brachte das Treffen 2017 im italienischen Taormina? Und was sagt die Schwierigkeit, diese aufzuzählen, über die derzeitige Begegnung der Großen Sieben im südwestfranzösischen Biarritz aus?

    Auch wenn der direkte Dialog dem Austausch gehässiger Twitter-Meldungen vorzuziehen ist und es bei Konflikten keine bessere Alternative gibt als unermüdliche Diplomatie – angesichts der mageren Resultate der vergangenen G7-Treffen drängt sich die Frage auf, ob diese Form noch zeitgemäß ist. Steht der kolossale finanzielle und organisatorische Aufwand, den die Ausrichtung des G7-Gipfels bedeutet, im Verhältnis zu seinem Nutzen? Zwar gibt der Gipfel auch Nichtregierungsorganisationen die Gelegenheit, sich parallel zu organisieren und ihre Positionen nach außen zu vertreten. Zugleich werden Randalierer mit angezogen, die diese Botschaften zu übertönen drohen.

    Macron setzt auf die Kraft der Bilder und riskiert damit Kritik

    So sinnvoll bilaterale Begegnungen an dessen Rande sind: Eine Einigung wie jene zwischen Großbritannien und den USA auf die Ausarbeitung eines gemeinsamen Handelsvertrags braucht nicht den Rahmen eines G7-Treffens in einer völlig abgeschotteten Stadt. Was bleibt also abgesehen von sorgsam inszenierten Gruppenfotos und Bildern von Staats- und Regierungschefs am runden Tisch? Macron bietet sich zwar eine hervorragende Gelegenheit, Frankreichs Anspruch zu bekräftigen, eine diplomatische Schlüsselrolle auf der Weltbühne zu spielen. Er setzt auf die Kraft der Bilder. So laufen Aufnahmen, wie er schulterklopfend seine Gäste begrüßt, seit Beginn des Gipfels in Dauerschleife. Doch riskiert Macron damit die Kritik, Politik als inhaltslose Show zu präsentieren.

    Dass sich bei vielen Themen auf der Tagesordnung ein Déja-vues-Gefühl einschleicht, zeigt, dass Fortschritte – wenn überhaupt – nur mühsam möglich sind. Mehr Geschlechtergerechtigkeit und Frauen in Führungspositionen, das war bereits eine Forderung beim G7-Gipfel in La Malbaie. Macron setzte dies wieder auf die Agenda; doch allein ein Blick auf die überwiegend männliche Besetzung der Delegationen enthüllt, dass der Weg noch ein sehr weiter ist.

    Kein Fortschritt trotz lautstarker Freundschaftsbekundungen

    Bereits der G7-Gipfel 2018 war überschattet von den Sorgen über den Ausbau des iranischen Atomprogramms nach der Aufkündigung des Atomabkommens durch die USA. Auch hatte Trump schon in Kanada die Wiederaufnahme Russlands in den Kreis gefordert, das nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim 2014 aus den früheren G8 ausgeschlossen wurde. Der Vorschlag stieß auch dieses Mal wieder auf Ablehnung.

    Dass in Sachen Handelsstreitigkeiten Fortschritte erzielt werden, erscheint ebenfalls unwahrscheinlich, solange Trump seinen Provokationskurs fortführt – und das trotz eines prachtvollen Empfangs und lautstarken Freundschaftsbekundungen. Wenn etwas vom G7-Gipfel in La Malbaie in Erinnerung blieb, dann waren es seine frühzeitige Abreise und ein Tweet, mit dem er seine Einwilligung zur G7-Abschlusserklärung zurückzog. Das war die Rache für die Kritik des kanadischen Premierministers Justin Trudeau an US-Schutzzöllen. Der große Eklat ist bislang ausgeblieben.

    Auf eine gemeinsame Abschlusserklärung wird diesmal gänzlich verzichtet, weil diese Kommuniqués Macron zufolge ohnehin keiner lese – ein vielsagendes Eingeständnis. Biarritz wird einmal mehr zeigen, dass es Zeit ist, über eine andere Form der internationalen Begegnungen nachzudenken.

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