• aktualisiert:

    WÜRZBURG / SCHWEINFURT

    Leitartikel: Unterfranken-CSU verliert Einfluss in München

    Sieht aus wie eine Verabschoiedung, war aber wenige vor der Wahl im Vogel Convention Center in Würzburg: Ministerpräsident Markus Söder und Barbara Stamm. Foto: Patty Varasano

    Historisch war dieser Wahlabend gleich in mehrerer Hinsicht: Der Einbruch der großen Volksparteien, der Aufstieg der Grünen, der Parlamentseinzug der AfD. Trends, die auch in Unterfranken auszumachen sind, allerdings mit etwas anderen Schwerpunkten.

    Die Verluste der CSU fallen mit minus 8,7 Prozentpunkten nicht ganz so erdrutschartig aus wie anderswo in Bayern – ein Verdienst nicht zuletzt von Barbara Stamm. Die Grande Dame der CSU hat dank ihrer Popularität der Partei einen letzten Dienst erwiesen. Sie war einmal mehr die Stimmenkönigin der Unterfranken-CSU. Selbst hat die 73-Jährige davon nicht profitiert, über die Liste schaffte es kein CSU-Politiker im Freistaat ins Maximilianeum. Nach 42 Jahren im Landtag hinterlässt Barbara Stamm eine Lücke, die weit über Unterfranken hinaus schwer zu schließen ist. Zumal die Würzburgerin ja exakt um die christlich-liberale Klientel warb, die die CSU-Oberen mit ihrem Zickzackkurs in der Flüchtlingspolitik in den vergangenen Monaten so nachhaltig verstört hatte.

    Kabinettsmitglieder Bausback und Eck könnten ihre Posten behalten

    Künftig schickt die Unterfranken-CSU statt zwölf nur noch neun Abgeordnete nach München, darunter die Kabinettsmitglieder Justizminister Winfried Bausback und Innenstaatssekretär Gerhard Eck. Beide galten bislang als Stützen der Staatsregierung unter Markus Söder. Gut möglich also, dass sie ihre Posten auch in einer Koalition behalten. Für Oliver Jörg indes, der immer wieder als Kandidat fürs Kabinett gehandelt wurde, war es ein ganz bitterer Wahlabend. Der 46-Jährige, dessen Verdienste um den Wissenschaftsstandort Mainfranken unbestritten sind, steht nach dem Verlust des Direktmandats in Würzburg mit leeren Händen da. Die Uni-Stadt ist nun gar nicht mehr in der Landtags-CSU vertreten.

    Ob Sensationssieger Patrick Friedl die Lücke füllen kann, muss sich zeigen. Außerhalb Münchens ist der 48-Jährige der Einzige, der der CSU ein Direktmandat abluchsen konnte. Dieser Erfolg ist kein Zufall. Friedls Name steht in Würzburg schon viele Jahre für einen weltoffenen Umgang mit Flüchtlingen – und vor allem für Klimaschutz-Initiativen. Die Würzburger, die Friedl die Stimme gaben, wussten, dass sie einen seriösen Pragmatiker wählen, einen, der in der gestärkten Landtagsfraktion sicher eine wichtige Rolle spielen wird. Insgesamt haben die Grünen in Unterfranken aber weniger hinzugewonnen als im Landesschnitt. Das zeigt, abseits der Städte ist noch einiges an grüner Überzeugungsarbeit zu leisten.

    Die SPD bleibt in Unterfranken wenigstens zweistellig

    Anders als vielerorts sonst in Bayern bleibt die SPD in Unterfranken mit 10,2 Prozent wenigstens zweistellig – und damit dritte Kraft. Ein wirklicher Trost ist das nicht. Mit regionalen Besonderheiten lässt sich das Resultat nicht erklären, die Zerrissenheit zwischen GroKo-Gegnern und Befürwortern war auch hier bei vielen Veranstaltungen spürbar. Die Grünen sind mit ihrer klaren Haltung etwa in der Flüchtlingspolitik für das linksliberale Milieu attraktiver. Und als Arbeiterpartei hat die SPD eh längst ausgedient.

    Was unter anderem das Beispiel Schweinfurt zeigt. Dort, in der einstigen Hochburg der Sozialdemokraten, ist es neben den Grünen auch der AfD gelungen, an der SPD vorbeizuziehen. Insgesamt indes blieben die Rechtspopulisten in Unterfranken aber einstellig – und damit unter den eigenen Erwartungen. Mal sehen, wie sich die zwei Abgeordneten in München schlagen. Bislang hat die Region mit AfD–Mandatsträgern auf Landes- und Bundesebene keine Erfahrung.

    Auch für die Freien Wähler lief es in Unterfranken nicht so gut wie anderswo, der Zuwachs lag unter dem Landesschnitt. Möglicherweise auch eine Auswirkung der Betrugsaffäre um die einstige Galionsfigur Günther Felbinger. Die FDP schaffte die Rückkehr in den Landtag gerade so, in Unterfranken blieb man sogar knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde. Für ein Mandat reicht es dennoch – allerdings nur auf Oppositionsseite.

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!