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    BERLIN

    Standpunkt: Eine Frage des Respekts

    Ministerin Franziska Giffey sollte ihre Ambitionen auf den SPD-Vorsitz zurückstellen, bis die Plagiatsaffäre um ihre Doktorarbeit ausgestanden ist. Denn ihre krisengeschüttelte Partei braucht nichts weniger als eine Chefin, die dem politischen Gegner unnötige Angriffsflächen bietet.

    Als es um die Doktorarbeiten von Annette Schavan (CDU) und Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ging, kamen einige der lautesten Rücktrittsforderungen aus der SPD. Beide Unionspolitiker sind zurückgetreten, als sie ihre Doktorwürde verloren. Für Giffey gilt bis zur Entscheidung der Freien Universität Berlin die Annahme, dass sie ihren Titel zu Recht trägt. Doch nach Lage der Dinge kann die SPD nicht ausschließen, dass sie ihn verliert. Das würde bedeuten, dass sie versucht hat, den Weg zum prestigeträchtigen Doktor durch unzulässiges Abschreiben abzukürzen.

    Alles andere als ein Rücktritt würde dann von mangelndem Respekt gegenüber dem Amt eines Bundesministers und all jenen zeugen, die ihre Dissertationen ordnungsgemäß verfasst haben. Dabei gilt: Jeder Fall muss für sich betrachtet werden. Über ein Comeback entscheidet am Ende der Wähler. Ein Politiker braucht keinen Doktortitel, um ein guter Politiker zu sein. Er braucht auch kein Studium. Im Gegenteil ist sogar zu bedauern, dass im Bundestag immer weniger Abgeordnete sitzen, die noch einen handfesten Beruf gelernt oder schon einmal am Fließband gestanden haben. Wer aber stolz einen Doktortitel führt, wie es so viele Politiker tun, der sollte ihn auch korrekt erworben haben.

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