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    Synodaler Weg: Bislang nur ein beherzter erster Schritt

    Das erste Treffen des Reformdialogs der katholischen Kirche in Frankfurt hatte bewegende Momente und ging nicht ohne Reibungen über die Bühne. Die Skepsis bleibt.
    Blick in den großen Saal des einstigen Dominikanerklosters in Frankfurt. Dort trafen sich Kleriker und Laien zur ersten Vollversammlung des Synodalen Wegs (31. Januar bis 1. Februar 2020), ein Reformdialog der katholischen Kirche.
    Blick in den großen Saal des einstigen Dominikanerklosters in Frankfurt. Dort trafen sich Kleriker und Laien zur ersten Vollversammlung des Synodalen Wegs (31. Januar bis 1. Februar 2020), ein Reformdialog der katholischen Kirche.
    Foto: Christine Jeske

    Als "geistliches Experiment" bezeichnete Kardinal Reinhard Marx den Synodalen Weg der katholischen Kirche vor der ersten Vollversammlung in Frankfurt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) blieb bei dieser Beschreibung, nachdem das erste Treffen am Samstag zu Ende war. Ist es ein Experiment? Ja. Aber nicht nur.

    Der Reformdialog, der von der DBK und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angestoßen wurde, ist ein Hoffnungsschimmer, ein beherzter erster Schritt – mehr noch nicht. Und er ist auch Gegenstand von Kalkül, wird vom konservativen Kirchenlager gezielt genutzt, damit es nicht ganz so gemütlich wird.

    Zwei Jahre lang wird nun intensiv über Reformthemen beraten, das ist entscheidend

    Skepsis, dass dieses Experiment gelingen könnte, ist nach wie vor angebracht. Die Machtfrage wird nie ganz aus der Welt sein. Die Frauenordination und die Abschaffung des Pflichtzölibats kann von den 230 Synodalen gar nicht beschlossen werden. Aber es gibt nun zwei Jahre lang eine intensive Auseinandersetzung zu diesen Reformthemen. Ebenso über die katholische Sexualmoral. Das ist entscheidend.

    Positiv war die Offenheit, die Leidenschaft, der Respekt. Alle konnten reden, wenn auch nicht immer ausreden. Die Wortmeldungen waren zeitlich begrenzt, zuletzt auf 60 Sekunden. Von den vielen deutlichen Statements setzten zwei besondere Akzente. Es waren die bewegenden Momenten im ehemaligen Frankfurter Dominikanerkloster. Sie riefen in Erinnerung, warum der Synodale Weg überhaupt beschritten worden ist.

    Die Delegierten sollten betroffen sein, nicht die Opfer sexuellen Missbrauchs

    Mara Klein aus dem Bistum Magdeburg brachte es mit zitternder Stimme knallhart auf den Punkt. Sie fühle sich, als junger Mensch in dieser Kirche, unwohl hier zu stehen und zu wissen, sagte sie, "um sie herum ist die gesamte Struktur versammelt, die diese Ergebnisse, die die Missbrauchsstudie noch einmal betont hat, verursacht hat". Sie sprach von einer massiven strukturellen Sünde, forderte: "Seien Sie betroffen, Sie sind nicht die Opfer."

    Klein wehrte sich gegen den Vorschlag, Betroffene in die Vollversammlung einzuladen, damit sie "Zeugnis ablegen" – "vor einem Verein von Tätern". Dagegen ist auch Janosch Roggel (Paderborn). Er sei transsexuell. Der Missbrauch durch einen Priester "war für mich das Schlimmste". Opfer von Missbrauch würden sich dieser Versammlung nicht stellen. "Aber wir sind im Raum und hören zu." Alle erhoben sich, applaudierten ihm stehend.

    Zu den positiven Überraschungen gehört auch die alphabetische Sitzordnung. Es gibt keine Rangordnung, keine Trennung nach Laien und Klerikern. Der Anfangsbuchstabe des Nachnamens ist entscheidend. Die Anrede ohne Titel – dieser Vorschlag wurde jedoch nicht  angenommen.

    Kardinal Woelki bezeichnet Synodalen Weg als protestantisches Kirchenparlament

    Dieses Nebeneinander ohne Beachtung von Hierarchien gefällt natürlich nicht jedem Würdenträger. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki machte im Domradio-Interview seinem Unmut Luft. Seine Befürchtung sei eingetreten, es sei ein protestantisches Kirchenparlament geschaffen worden. Seine Position ist sicher keine Überraschung. Sie zeigt aber, dass der Synodale Weg etliche Stolperfallen und kaum zu überwindende Hürden hat.

    Dazu gehören auch die Ansichten von Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer. Er zweifelt die Wissenschaftlichkeit der Missbrauchsstudie an, ebenso, ob der Zölibat ein Risikofaktor für sexualisierte Gewalt sein könnte.

    So bleibt lediglich Zuversicht, mit der auch der Würzburger Bischof Franz Jung am Samstagnachmittag aus Frankfurt abreiste. Die treffendste Charakterisierung des Reformdialogs, der sich im September zu seiner nächsten Vollversammlung trifft, ist somit "Zukunftswerkstatt". Sie stammt von Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück), für den der Pflichtzölibat nicht mehr starr in Stein gemeißelt ist.

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