• aktualisiert:

    Berlin

    Tesla-Fabrik ist eine Kampfansage an deutsche Autobauer

    Die rund 35 Kilometer entfernt von Berlin gelegene Gemeinde Grünheide, und dort der Gemeindeteil Freienbrink, wurden als Standort ausgewählt. Foto: Tobias Schwarz, afp

    Der drohende Brexit legt auch seine gute Seiten offen: So zeichnete sich früh ab, dass die neue und riesige europäische Tesla-Fabrik mit hoher Wahrscheinlichkeit nach Deutschland kommt. Elektro-Pionier Elon Musk hat nun medienwirksam bei der Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ verkündet, dass seine Wahl auf einen Standort bei Berlin fällt. Der amerikanische Visionär, sozusagen der Business-Punk der Elektromobilität, könnte jetzt über sich sagen: „Ich bin ein Berliner.“

    Er belässt es einstweilen nicht ganz so pathetisch bei einem Tweet mit Herzen in den Farben Schwarz, Rot und Gold. Dabei haben den oft ungestüm, emotional, ja wie US-Präsident Trump sogar irrational wirkenden Amerikaner sachliche Argumente für den Bau einer Giga-Factory in Deutschland bewogen. Denn damit schaut er dem Tiger der Autoindustrie, also den heimischen Champions Daimler, BMW, Volkswagen, Porsche und Audi, direkt in die Augen. Musk kann künftig mit Teslas made in Germany werben. Ein bisschen Deutsch sind die US-Stromer ohnehin. Denn nachdem Musk massive Probleme mit der Massenfertigung seiner Autos verzeichnen musste, kaufte er einfach die deutsche Firma Grohmann, die auf die Automatisierung von Produktionsprozessen spezialisiert ist.

    Tesla-Gründer ist ein rationaler Unternehmer

    Der Tesla-Gründer ist also trotz aller Eskapaden und fiebrigen Träume von der Besiedlung des Mars in seinem Innersten ein rationaler Unternehmer, der Fehler erkennt und nicht eher ruht, bis sie abgestellt sind. Er bleibt natürlich Visionär und träumt von einem Fertigungstempo eines „Maschinengewehrs“. Mit solchen bizarren Vergleichen ist er Donald Trump nicht unähnlich. Was den Tesla-Gründer aber fundamental vom US-Präsidenten unterscheidet, sind seine Kenntnisse, wie Globalisierung funktioniert. Es ist für ihn klar, dass er als Amerikaner in Europa eine große Fabrik bauen muss, um dort ein neues, für breitere Käuferkreise erschwingliches Elektroauto verkaufen zu können. Denn Fertigung in den Zielmärkten senkt die Logistikkosten.

    Gerade für Daimler, BMW, Audi und Porsche ist der Bau einer Tesla-Fabrik bei Berlin eine Kampfansage. Die Hersteller haben den Visionär Musk zu lange unterschätzt und müssen nun eine Elektro-Aufholjagd starten. Manch heimischer Auto-Manager sieht das immer noch viel zu gelassen. Der Verweis darauf, dass keine Nation besser Premium-Fahrzeuge derart perfekt industriell herstellen kann wie Deutschland, zieht bald nicht mehr. Musk bedient sich gerade dieser urgermanischen Kompetenzen. Er ist der Treiber, die deutschen Anbieter sind die Getriebenen. Der Amerikaner zieht den deutschen Auto-Tiger an den Schnurrhaaren.

    Musk sollte Gewerkschafter miteinbeziehen

    Noch haben Daimler & Co. gute Chancen, Musk einzuholen und abzuhängen. Denn sie verfügen über die Macht extrem starker Marken. Das kann ein Revoluzzer in wenigen Jahren nicht aufholen. Musk muss aufpassen: In Deutschland, dem wundersamen Land unendlich langer Genehmigungsverfahren, kann Tesla nicht wie zuletzt in China im Rekordtempo eine Autofabrik hochziehen. Die Amerikaner müsse auch im Raum Berlin/Brandenburg erst einmal tausende Facharbeiter und Ingenieure finden. Und dann wäre Musk klug beraten, anders als die Beton-Köpfe des US-Versandhändler Amazon, anzuerkennen, dass Gewerkschafter von Anfang an einbezogen werden müssen. Sonst bekommt er die Tatzen eines anderen deutschen Tigers, der IG Metall, zu spüren. Um hierzulande erfolgreich und ungestört Autos bauen zu können, muss der Amerikaner gut zahlen und sich anpassen. Sonst stehen die Gewerkschafter wie bei Amazon oft vor den Werkstoren.

    Stefan Stahl

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!