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    Wie Zuversicht hilft, Zukunftsangst in den Griff zu bekommen

    Ist Angst etwa ein typisch deutsches Gefühl?  Foto: Jan Woitas (dpa)

    Die Welt ist voller Hiobsbotschaften. Sie prasseln täglich wie Starkregen auf uns nieder: Klimakatastrophe. Digitalisierung. Globalisierung. Rechtspopulismus. Antisemitismus. Flüchtlingskrise. Nordsyrien. Donald Trump. Wirtschaftsflaute. Die Liste der unbehaglichen Stimmungskiller ließe sich fortsetzen. So scheint es wenig verwunderlich, dass viele Deutsche laut verschiedener Umfragen Zukunftsängste plagen. Zumal die Sorge vor einem sozialen Abstieg etlichen Bundesbürgern ebenfalls großes Unbehagen bereitet.

    Droht Deutschland im Pessimismus zu ertrinken?

    Doch ist diese Gemütslage normal? Oder handelt es sich bei ihr um die vielbeschworene „German Angst“, über die man sich im Ausland lustig macht? Ist Angst etwa ein typisch deutsches Gefühl? Mit dieser Frage beschäftigt sich jetzt sogar eine Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig. Die Veranstalter antworten mit einem „sehr vorsichtigen Ja“. Ausstellungsdirektor Thorsten Smidt sieht Anhaltspunkte dafür, „dass es eine spezifisch deutsche Eigenschaft ist, vielleicht Dinge, vor denen man auch in anderen Ländern Angst hat, hier etwas emotionaler wahrzunehmen“. Womit genau das zu tun hat, sei „noch nicht wirklich so untersucht worden, dass man das jetzt fundiert sagen könnte“. Doch auch ohne wissenschaftliche Studie kann man dem Journalisten Jeremy Cliffe vom britischen "Economist" beipflichten: „Wenn Deutschland so weitermacht, droht es im eigenen Pessimismus zu ertrinken.“ Wie wär’s also mit etwas mehr Zuversicht?

    „Ohne ein Mindestmaß an positiver Zukunftserwartung würde niemand mehr politische Programme entwerfen, Kinder in die Welt setzen, zu Reisen aufbrechen oder auch nur morgens aufstehen.“
    Wissenschaftsjournalist Ulrich Schnabel

    Wer sich fragt, wie man angesichts der beklagenswerten Zustände in der Welt überhaupt zuversichtlich sein kann, der möge sich einen Satz von Vaclav Havel, ehemaliger Präsident der Tschechischen Republik, zu Gemüte führen: „Es geht nicht um die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern um die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht.“ Für den Wissenschaftsjournalisten Ulrich Schnabel steht außer Frage, dass wir irgendeine Art von Zuversicht brauchen: „Ohne ein Mindestmaß an positiver Zukunftserwartung würde niemand mehr politische Programme entwerfen, Kinder in die Welt setzen, zu Reisen aufbrechen oder auch nur morgens aufstehen.“

    Aus Sicht von Schnabel, der ein kluges Buch über die Zuversicht geschrieben hat, (Zuversicht: Die Kraft der inneren Freiheit und warum sie heute wichtiger ist denn je) ist diese Eigenschaft eine Haltung, „die uns in Krisen aufrecht hält, die uns erlaubt, einerseits den Ernst der Lage klar zu sehen und trotzdem den Lebensmut nicht zu verlieren“. Gerade in der heutigen Zeit, wo es eine ängstliche, besorgte Stimmung in der Bevölkerung gebe, sei es ganz wichtig, „dass man sich auf die Suche macht nach den Quellen, die uns auch Zuversicht vermitteln.“

    Wir erleben eine der größten Transformationen, die es in der Geschichte gab

    Das wird dringend nötig sein. Denn nüchtern betrachtet werden sich die Deutschen darauf einstellen müssen, dass die Herausforderungen für jeden einzelnen Bürger eher noch größer werden und die Unsicherheit wachsen wird.  Der österreichische Wirtschaftswissenschaftler Fredmund Malik hat die aktuelle Situation treffend beschrieben: „Wirtschaft und Gesellschaft gehen durch eine der größten Transformationen, die es je in der Geschichte gab. Was an der Oberfläche wie eine Wirtschaftskrise aussieht, ist in Wahrheit ein großer gesellschaftlicher Transformationsprozess – eine tiefgreifende Systemkrise und eine Krise des Funktionierens. Was einmal richtig war, ist jetzt falsch. Sie sind in Wahrheit die Geburtswehen von einer Alten Welt des 20. Jahrhunderts in eine Neuen Welt des 21. Jahrhunderts, in der fast alles anders sein wird als bisher.“

    Wohl dem, der dann nicht bei jedem Schritt in den Abgrund blickt, sondern zuversichtlich nach vorn.

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