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    LESERANWALT

    Amtsperson war früher

    Leserbrief
    Ein Symbolbild aus dem Archiv für die folgende Kolumne, in der es um die Zuschrift einer früheren Amtsperson geht. Da muss die Meinung wieder alleine als solche beurteilt werden. Foto: Björn Kohlhepp

    Meinungen aus Leserbriefen, die in der Zeitung erschienen sind, können grundsätzlich nicht dafür herhalten, der Redaktion Manipulation vorzuwerfen. Ein Leser hat das aber mir gegenüber getan.

     

    Früheres Amt nicht genannt

    Dem Kritiker geht es in seinem Vorwurf um eine Meinung, deren Absender X vor längerer Zeit eine wichtige Position innehatte. X vertrat nun aktuell in einen Leserbrief eine Ansicht, wie er sie wahrscheinlich schon vertreten hätte, wäre er noch in Amt und Würden. Nun kann man der Redaktion oder dem Absender X vorwerfen, dass im oder beim aktuellen Brief das frühere Amt nicht genannt ist, zumal ein Zusammenhang mit dem beurteilten Thema besteht.

     

    Beispiel Bürgermeister

    Es lässt sich erklären, warum beim Absender nicht auf das frühere Amt verwiesen wurde. Nehmen wir zum besseren Verständnis der folgenden Erklärung an, es ginge um einen ehemaligen Bürgermeister. Würde der heute, im Ruhestand, einen Brief zur Veröffentlichung einsenden, dann bestünde für die Redaktion kein Grund mehr, den aufgrund des früheren Amtes zurückzuweisen. Wäre er aber noch Bürgermeister, dann hätte sie den Leserbrief abgelehnt. Er würde nicht in die Leserbriefspalten gehören. Stattdessen müsste er aus dem Amt heraus eine offizielle Stellungnahme übermitteln. Und über deren Veröffentlichung oder Nicht-Veröffentlichung würde dann die Redaktion eine journalistische Entscheidung treffen, die sich nach dem Nachrichtenwert richtet. Das ist die Regelung.

     

    Wieder wie normale Bürger

    Einst verantwortliche Amtspersonen (meist im Ruhestand) werden von der Redaktion wieder wie normale Leser und Bürger behandelt. Ihre Ansichten können sie nun auch in Leserbriefen mit der Chance auf Veröffentlichung äußern. Die Redaktion kann dann aber die Absenderangaben im Leserbrief nicht einfach selbst durch frühere Ämter ergänzen. Meinungen in Leserbriefen müssen dann eben nur als solche beurteilt werden.

    Allerdings hindert niemand den Absender daran, selbst in seinen Text einfließen zu lassen, dass er in der Sache mal offiziell engagiert gewesen ist. Das wäre ehrlich und so manches Mal hilfreich bei der Einordnung der vertretenen Meinung. Vor allem dann, wenn es sich um ein fortwirkendes Thema handelt, dass schon in der eigenen Amtszeit entscheidend gewesen ist oder auf den Weg gebracht wurde. Bei solchen Beziehungen zum Thema sollte die Redaktion die einstige Amtsperson sogar darauf hinweisen, dass der Brief ohne Erinnerung an die eigene Beteiligung nicht veröffentlicht wird. Oder: den Absender veranlassen, aus dem Leserbrief eine Stellungnahme zu machen.

     

    Ablehnungsgründe

    Auch hinter nicht veröffentlichten Zuschriften stecken meist nur formale Gründe, nicht etwa Manipulationen. Nicht zum ersten Mal nenne ich einige der Gründe für Ablehnungen: Adresse unvollständig oder nicht vorhanden, fehlender Name, wüste Beschimpfungen oder wirre Studien, nicht nachprüfbare Unterstellungen, kein Bezug zu einem Artikel oder viel zu spät nach dessen Veröffentlichung eintreffend.

     

    Regelungen für "Vielschreiber"

    Wichtig ist für „Vielschreiber“, die sich monatlich fünf Mal oder öfter melden: Einmal im Monat gibt es eine Veröffentlichung in der Zeitung, maximal dreimal digital auf mainpost.de. Briefschreiber aus dem Verbreitungsgebiet dieser Zeitung haben Vorrang vor anderen. Zuschriften, die sich nicht auf einen Artikel, sondern auf einen anderen Leserbrief beziehen, werden nur digital auf mainpost.de verbreitet, dort wo sich der vorausgehende Brief ebenfalls noch findet.

    Mehr zu Leserbriefen finden Sie auch in den Journalistischen Leitlinien für die Main-Post-Redaktionen.

    Ich bitte um Verständnis, dass sich der vorliegende Sachverhalt so nicht auf das jeweilige Forum unter digitalen Beiträgen übertragen lässt. Dort finden sich ohnehin nur Phantasienamen der Absender, die mit ihrem richtigen Namen der Redaktion bekannt sind.

    Frühere Leseranwalt-Kolumnen zu Leserbriefen:

    "Leserbriefe stärken den demokratischen Diskurs" (2018)

    "Wider den Vorwurf, Redaktionen würden Meinungsfreiheit einschränken" (2018)

    "Versuchte Einschüchterung" (2018)

    "Veröffentlichungen von Nutzer-Kommentaren sind keine redaktionelle Unterstützung einer Gruppe oder Person" (2015)

    "Lesermeinungen sollen aktuell sein, wenn sie in der Zeitung erscheinen" (2009)

    Anton Sahlender, Leseranwalt. Siehe auch www.vdmo.de

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