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    LESERANWALT

    Beiträge über Dorothee Bär gefährden keine Überparteilichkeit

    Dieses Archivbild zeigt die Poltikerin Dorothee Bär bei einer Radtour in ihrem Wahlkreis. Man erkennt, was über die bund...

    Überparteilichkeit wird viel beschworen. Was sie für Medien bedeutet, das bedarf dennoch zuweilen einer Erklärung. Ich schreibe das aus aktuellem Anlass. Hat doch nicht nur ein Leser gewarnt, diese Zeitung müsse aufpassen, dass sie nicht zum CSU-Blatt werde. Denn aus  Sicht dieser Leser sind über die Maßen viele Beiträge über die CSU-Politikerin Dorothee Bär erschienen. Deren große Anzahl lässt sich auch unter mainpost.de durch eine Suche über das Stichwort "Dorothee Bär" nachvollziehen.

     

    Selbsterklärter Anspruch

    So verstehe ich, dass man als Leser zu dieser Warnung gelangen kann. Da gilt es für die Redaktion wirklich aufzupassen. Denn es gab zuletzt eine Menge über die Frau aus Ebelsbach zu berichten. Ob es zu viel war, mag jeder Leser für sich bewerten. Die Warnung eignet sich aber, um Überparteilichkeit zu erklären. Die ist nämlich kein Gesetz, sondern selbsterklärter Anspruch vieler Medien, so auch dieser Zeitung.

     

    Um der Sache willen

    Selbstverständlich dürfen und sollen Medien, die unabhängig sein wollen, trotzdem Partei ergreifen. Entscheidend ist, dass es nicht grundsätzlich der Partei wegen, sondern im Einzelfall um der Sache willen geschieht. Das sollte stets durch Argumente erkennbar sein.

     

    Wachsende  Bedeutung

    Ein Leser hat gefragt, „was hat Dorothee Bär, was andere nicht haben?“ Ich antworte ihm aus journalistischer Perspektive, ohne das Handeln der jungen Politikerin zu beurteilen: Frau Bär kommt aus dieser Region, aus dem Landkreis Haßberge, also aus dem Verbreitungsgebiet dieser Zeitung. Das alleine bringt fast zwangsläufig erhöhte Aufmerksamkeit einer Lokal- und Regionalzeitung mit sich. Zur Berichterstattung addieren sich somit Auftritte von Frau Bär in ihrer Heimat. Auch die Beiträge darüber nehmen mit ihrer wachsenden Bedeutung zu.

     

     Partei ergriffen

    Und das öffentliche Interesse an der Politikerin hat sich verstärkt, weil die Ebelsbacherin künftig Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt werden soll. Da kommt Verantwortung in einem Amt auf sie zu, das neu ist. Dessen Notwendigkeit wi rd ebenso wie ihre Kompetenz zuweilen angezweifelt. Ein Kommentator dieser Zeitung hält sie aber für die Richtige (10.3.: Digitalisierung braucht Leidenschaft“). Hier ergreift er Partei. Seine Meinung ist aber mit Argumenten belegt. So ist auch dieser Kommentar keine Abkehr von Überparteilichkeit. Dass es andere Ansichten gibt, wurde in der Berichterstattung nicht geleugnet. So gab es Skepsis bei den Grünen zu melden. Kritisch hat sich beispielsweise auch Christian Lindner (FDP) geäußert.

     

    Digitales Wirken

    Nicht verborgen bleibt, dass Frau  Bär selbst Geschick dabei zeigt, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen . Beispielsweise erschien sie 2015 im Bayerntrikot im Bundestag. Ihre Kreativität wird besonders in sozialen Netzwerken des Internet erkennbar. Und digitales Wirken übersehen mittlerweile auch gedruckte Medien in ihrer Berichterstattung kaum. Diese Chance versteht Frau Bär zu nutzen.

     

    Ungefährdet

    Ich fasse zusammen: Die derzeitige Präsenz von Frau Bär in dieser Zeitung ist der aktuellen politischen Entwicklung geschuldet. Ohne Zweifel lässt sich über die Notwendigkeit des einen oder anderen Beitrages über sie trefflich streiten. Aber Überparteilichkeit sehe ich in dieser Zeitung darüber längst nicht gefährdet.

    Ergänzende frühere Leseranwalt-Kolumnen zu diesem Thema:

    "Nach einem kritischen Leitartikel über Guttenberg droht Liebesentzug" (2011)

    "Warum es in der Redaktion selten nur eine Meinung geben kann" (2016)

    "Journalistische Wahrhaftigkeit wiegt schwerer als eine Tendenz" (2016)

    Anton Sahlender, Leseranwalt, siehe www.vdmo.de

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