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    Der Leseranwalt: Über Schweinegrippe und schädliche sprachliche Nebenwirkungen

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    Geschäftsschädigung sei die andauernde Berichterstattung über Schweinegrippe, ärgern sich einige Anrufer. Es sind offenkundig Landwirte, die Schweine halten. Sie fordern, dass wir es unterlassen, in der Zeitung von „Schweinegrippe“ zu schreiben. Stattdessen soll vom „A/H1N1-Virus“ die Rede sein oder einfach nur von „Neuer Grippe“.

    So wird das aber nicht funktionieren. Um Schweinegrippe kommt man journalistisch nicht mehr herum. Es handelt sich mittlerweile um einen eingeführten Begriff. Im Interesse der wichtigen Eindeutigkeit im Umgang mit dieser Krankheit, kann er nicht einfach durch andere ersetzt werden. Auch wer zu Ärzten oder in Apotheken kommt, findet dort Aufklärungsschriften vor, in denen von Schweinegrippe die Rede ist. Sämtliche bisherigen Informationen liefen unter diesem Begriff.

    Mit A/H1N1 oder Neue Grippe alleine können nur Experten etwas anfangen. Zu wenige Leser würden erkennen, dass es sich um die Schweingrippe handelt, um jene Influenza, deren weltweite Verbreitung nach alledem, was wir wissen, von Mexiko ausging. Und dort wurde die Übertragung, wie es bei der Virengruppe A möglich ist, vom Säugetier (hier vom Schwein) auf den Menschen zurückgeführt.

    Aufgabe von Medien ist die sachgerechte Aufklärung über Krankheiten, über Gefahren, die von ihnen ausgehen, über Möglichkeiten der Vorbeugung, aber auch über die verwendeten Begriffe. Niemals darf dabei Panik erzeugt werden (Siehe www.mainpost.de/online-tipp).

    Ein wenig Verständnis sollte man für Züchter und Mäster des Borstenviehs aufbringen. Obwohl eine geschäftsschädigende Nebenwirkung dieser Grippe erstaunlich wäre, wenn also der Handel mit Schweinen und ihrem Fleisch über die gleichnamige Grippe leiden würde. Ein Vergleich mit BSE und den gravierenden Auswirkungen auf die Rinderhaltung verbietet sich. Aber selbst dabei hat zumindest der verwendete Begriff keine Rolle gespielt.

    Wir dürfen sicher davon ausgehen, dass von den Produkten, die in Fleisch- und Wursttheken angeboten werden, keine Grippe-Gefahr ausgeht. Wenn doch, dann nur deshalb, weil mit dem H1N1-Virus infiziertes menschliches Personal damit in Berührung kam. Das würde gleichermaßen für andere Produkte gelten. Aber das ist unwahrscheinlich angesichts massiver Hygienevorschriften. Zudem gilt für alle: Wenn Sie Anzeichen von Grippe spüren, bleiben Sie zu Hause. Schonen Sie sich und verschonen Sie andere.

    Absolut wirkungslos bei der Bekämpfung jedweder Arten von Influenza ist die angedrohte Abbestellung der Zeitung. Auch neue Bezeichnungen beseitigen nicht alte Krankheiten.

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