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    WÜRZBURG

    Der Leseranwalt: Von einem Mann, der nicht mit schlechten Nachrichten ins Bett gehen will

    Leseranwalt
    Leseranwalt Anton Sahlender.

     

    "Also, die Wahrheit ist ganz einfach: Ich mag keine negativen Nachrichten in dieser Vielzahl: Früh, Mittag, Abend – Radio, Zeitung, Fernseher – zuballern mit (fast immer) negativen Nachrichten. Das war zwar schon immer so, nur jetzt reicht‘s mir halt mit der Zeitung. Fernseher hatte ich noch nie, ich will nicht mit negativen Nachrichten, Morden und Krimis ins Bett. Sie wissen sicher, wie unser Gehirn arbeitet und solche Dinge verarbeitet.“

    So ist eine Abbestellung der Zeitung begründet: Es gibt eben Leute, die keine schlechten Nachrichten lesen mögen. Wie die allerdings vom Gehirn verarbeitet werden, das kann ich nur vermuten. Nachweise überlasse ich Gehirnforschern, denn es könnte ja individuell unterschiedlich sein. Immerhin habe ich etwas darüber erfahren, wie jener Leser aus der Rhön tickt. Dass es mehr Leute gibt, die ähnlich empfinden wie er, weil sie am liebsten nur positive Botschaften aus ihrer Zeitung bekommen würden, das haben mir schon frühere Zuschriften gezeigt.

    Zumindest wünschen kann ich es allen Lesern fürs neue Jahr, dass die für sie erfreulichen Nachrichten in den Berichten aller Medien überwiegen. So wie ich es für uns selbst am liebsten hätte. Aus dem Wege gehen – so wie der Mann aus der Rhön – können wir den Übeln dieser Welt nicht, in der Redaktion aus professionellen Gründen nicht. Journalisten müssen deren Vielzahl zur Kenntnis nehmen und recherchieren, um auf dem Laufenden zu bleiben, kompetent mitreden und richtig vermitteln zu können. Das gilt selbst dann, wenn ihnen das Thema persönlich egal ist. Am Ende geht es darum, Wirklichkeit darzustellen und den Menschen keine heile Welt nur vorzugaukeln.

    Versuche, das Gute auch im Schlechten zu finden, können voll danebengehen: Es wäre mehr als makaber, sich zu freuen, dass Naturkatastrophen wie ein Tsunami uns hier nicht ereilen können. Wichtig ist, Ereignisse und Entwicklungen seriös aufzuzeigen, Hoffnungen zu erkennen, Auswege, Vorbeugung und Hilfe deutlich zu machen.

    So wünsche ich Ihnen als Leser, dass sie im Positiven und im Negativen, 2014 stets gute Entscheidungen treffen. Ich freue mich zunächst darüber, dass der Abbesteller guten Journalismus und Meinungsfreiheit trotzdem schätzt, die Zeitung am Wochenende kaufen will und übers Internet als Online-Abonnent vielleicht zu uns zurückkehrt.

    Interessiert warte ich auf das Ergebnis seines Selbst-Tests, den er ankündigt: Nach drei Monaten ohne Zeitungsabo will er entscheiden, wie es ihm dabei erging, ob er noch mitreden kann und noch weiß, wo was los ist.

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