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    Des Lesers Gedanke in Kürze bringt dem Nachrichtenfluss die Würze

    Ein Oberstudienrat im Ruhestand erinnert aktuell daran. Dass er entsetzt ist, schreibt er dem Chefredakteur. Er wirft uns vor, unsere Aufforderung, Meinungen möglichst kurz wiederzugeben, entspreche miserablem Journalismus, der mit Schlagworten arbeite. Der sei plakativ, mitunter manipulierend. Er folgert, „wenn Sie dem Leser keine Gelegenheit geben, seine Meinung zu begründen, sollten Sie auf Leserbriefe eigentlich verzichten“. Das tun wir natürlich nicht. Begründungen sind selbst in Kürze möglich. Lesen Sie nur die Zuschriften.

    Doch nicht alle Briefe erscheinen kurz. Manchmal nicht, wenn sie sich auf einen Beitrag aus dem Lokalteil beziehen. Dort stehen sie dann auch.

    Sie halten eine Lokalzeitung in Händen, die setzt entsprechend Schwerpunkte. Trotzdem werden Sie ausführlich mit den wesentlichen regionalen, nationalen und internationalen Themen versorgt. Täglich bieten wir dazu ganze Seiten für ein einziges Thema an. „Schlagwort-Journalismus“ lehnt auch die Redaktion ab. Der entsteht nicht durch kurze Leserbriefe, zumal deren Schreiber keine Journalisten sind.

    Zu Beiträgen, die nicht im Lokalteil standen, bieten wir an dieser Stelle von Dienstag bis Samstag den Platz für kurze Leserstimmen. Die beziehen sich oft auf umfangreichen Journalismus zum Thema, etwa die Missbrauchsfälle oder die Vulkanaschewolke. Aber gerade dazu bringen des Lesers Gedanke oder ein neuer Akzent aus seiner Feder Würze in den Nachrichtenfluss. Kurz gefasst, bleiben selbst eilige Leser daran hängen. Motto: Je kürzer, desto mehr Stimmen finden Platz. Das ist der Redaktion wichtig. Sie kürzt Zuschriften selbst nur dann, wenn sie nicht zu umfangreich oder undurchdringlich sind. Sonst droht die Gefahr einer Sinnentstellung.

    Angemessen umfangreiche Beiträge zu regionalen, nationalen oder internationalen Vorgängen, die sind in einer Zeitung naturgemäß vorwiegend Sache der Journalisten. Ihnen obliegt deren professionell begründete Vermittlung. Dagegen ist dem engagierten Leserbriefschreiber mal ein Schlagwort nachzusehen. Daraus lässt sich kein miserabler Journalismus ableiten.

    Und: Sehen Sie mir, dem Journalisten, die Länge dieses Textes nach.

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