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    LESERANWALT

    Ein guter Vorsatz für 2017: Mehr Quellenklarheit

    Zum Jahreswechsel schreibe ich nicht ganz ohne Anlass etwas über Quellenklarheit. Man kann daraus am Ende noch einen guten Vorsatz für Redakteure ableiten. Auf jeden Fall sollte bei in wichtigen Nachrichten immer eine Antwort auf die Frage zu finden sein: Woher kommen sie?


    Engagierte Leute

    Meist kommen  Inhalte ja von Journalisten, zu denen aber nicht nur Redakteure, sondern alle Berichterstatter eines Mediums zählen. Das sind landauf, landab engagierte Leute. Sie informieren die Redaktion über Themen und Ereignisse aus ihrem Umfeld und vielfach berichten sie auch darüber. Ohne sie wäre eine flächendeckende Lokalberichterstattung kaum zu bestreiten. Ihr Wirken ist auch verdienstvoll für Vereine, Dörfer, Stadtteile oder für die Information über spezielle Themen, denen sie sich regelmäßig widmen. Dabei beschäftigen sie sich mit dem Journalismus oft nur nebenher, als freie Mitarbeiter.
    Hier ein Leseranwalt-Beitrag über freie Mitarbeiter: Am Wurzelwerk von Lokalredaktionen
    Außerdem: Ein lokales Markenzeichen für die Zeitung

    Doppelfunktionen

    Engagierte Menschen, das ist bekannt, haben meist mehr als nur eine freiwillige Verpflichtung. Sie berichten dann nicht nur für die Zeitung, sondern begleiten noch sehr aktiv Funktionen in Vereinen oder in Parteien. Diese Doppelfunktion muss der Leserschaft in den Fällen kenntlich gemacht werden, in denen ihre Berichterstattung eine ihrer anderen Funktionen berührt.
     

    Das Ereignis

    Der Presserat hat das in Sachen Doppelfunktion erst diesem Jahr nach einer Beschwerde deutlich gemacht. Es ging um den Online-Beitrag einer Lokalzeitung (nicht dieser hier) über den Schweizer Autor, Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser. Weil der Mann auch als "Verschwörungstheoretiker" kritisiert wird, hatten SPD, Grüne, Jusos, Grüne Jugend, die Antifa, das soziokulturelle Zentrum „Trotz Allem“ sowie die Piraten mit einem offenen Brief seinen Vortrag an der örtlichen Universität verhindern wollen. Ganser hatte Vorwürfe zurückgewiesen.
     

    Trennung zur Kennzeichnung

    Aber um Ganser geht es hier nicht, sondern darum, dass sich ein Leser darüber beschwert hat, dass der Autor des Online-Beitrages auch Vorstandsmitglied bei den örtlichen Jusos ist. Und die gehörten zu den Initiatoren jener schriftlichen Ablehnung. So hat auch der Presserat klargestellt, dass im Beitrag diese Doppelfunktion hätte kenntlich gemacht werden müssen, auch wenn an den Inhalten sonst nichts zu bemängeln war. Auf diese Weise wäre aus seiner Sicht erfüllt, was Richtlinie 6.1. des Pressekodex will:

    „Übt ein Journalist oder Verleger neben seiner publizistischen Tätigkeit eine Funktion, beispielsweise in einer Regierung, einer Behörde oder in einem Wirtschaftsunternehmen aus, müssen alle Beteiligten auf strikte Trennung dieser Funktionen achten. Gleiches gilt im umgekehrten Fall.“

     Siehe Archiv Presserat Aktenzeichen: (1026/15/1) 

    Nicht durchschaubar

    Ich schreibe das, weil erst jüngst auch in einem Lokalteil in dieser Zeitung ein umfangreicher Bericht erschienen ist, dessen inhaltliche Quellen Pressemitteilungen von Parteien gewesen sind. Die Redaktion hat sie bearbeitet und zu einem Beitrag zusammengestellt. Die Fakten darin waren zwar nachprüfbar und korrekt. Aber beim Beitrag war kein Autor genannt. An seinem Ende standen lediglich redaktionelle Arbeitskürzel, die für Leser nicht durchschaubar waren. Dass alledem Pressemitteilungen zugrunde lagen, war nicht erwähnt.
     

    Falscher Eindruck

    So konnten Leser den falschen Eindruck gewinnen, ein oder mehrere Journalisten, die jeweils dabei gewesen sind, hätten berichtet. Das ist keine Quellenklarheit und nicht ausreichend transparent.
    So kann Redaktionen als guter Vorsatz für 2017 empfohlen werden: Noch mehr Quellenklarheit. Sie ist ein wesentliches Kennzeichen für professionellen und seriösen Journalismus. Zudem macht sie den wichtigen Unterschied zu den vielen namenlosen Mitteilungen aus, die täglich aus vielen anderen Medien sprudeln.

    Anton Sahlender, Leseranwalt

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