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    LESERANWALT

    Eine Beteiligte hat berichtet

    Schräges Symbolbild von der Pfarrkirche in Forst. Bereits einmal erschienen im August mit der Unterzeile "Haussegen hängt schief, in der Kirchengemeinde in Forst." Dazu gehört aber auch ein journalistisch falsches Verhalten, das hier beschrieben ist. Foto: Andreas Lösch

    Es geht um einen journalistischen Grundsatz. So zitiere ich stellvertretend nur aus einer von drei Beschwerden, die mich zur Berichterstattung über die Aktion von rund 20 Frauen der Protestbewegung „Maria 2.0“ im Vorabendgottesdienst zu Mariä Himmelfahrt (14.8.) in der Kirche von Forst (Lkr. Schweinfurt) erreichten: „Der Pfarrer in Forst wurde durch <die Berichterstatterinund Gefolge vor vollendete Tatsachen gestellt! Das <…> darf von der unabhängigen Main-Post nicht geduldet werden! Ich werfe ihr nicht eine andere Ansicht vor, sondern das Vorgehen. Das war hinterhältig und böse und muss in einer Zeitung klar zur Sprache kommen, dass dieses Vorgehen in dieser Form nicht geht.“

     

    Schwerer Fehler

    Ich bringe es zur Sprache. Die freie Journalistin, die im Auftrag der Redaktion aus dem Gottesdienst berichtete und dazu kommentierte, ist nicht böse. Aber sie beging einen schweren Fehler, den sie mittlerweile bereut: Sie erschien im weißen Gewand, genau wie die Damen der Protestbewegung. Sie gab damit journalistische Unabhängigkeit, die ihr selbst wichtig ist, sichtbar auf. Offen hat sie vor Ort kundgetan, dass sie zur Bewegung „Maria 2.0“ steht und dass sie die Aktion in der Forster Pfarrkirche unterstützt. Das steht im Widerspruch zu journalistischen Grundsätzen. Das gilt als Befangenheit, obwohl die Kollegin ihre Meinung ohne diesen Auftritt journalistisch ja hätte darlegen dürfen. So aber hat sie sich schon vor Ort als neutrale Berichterstatterin unglaubwürdig gemacht.

    Hier der Bericht, um den es ursprünglich geht: "Pfarrer verweist in Forst einige Frauen der Kirche"

     

    Vorwürfe: Heftig aber nicht konkret

    Kritiken an der Berichterstattung über die Protestaktion richten sich nun auch gegen die Redaktion und die freie Journalistin. Das ist kein Wunder. Doch angefangen vom Bericht der Frau, der am 16.8. nur im Lokalteil erschien und der einzige dazu von ihr blieb, habe ich die gesamten auch überregionalen Beiträge nachgelesen und nichts festgestellt, was als falsch einzustufen wäre. Alle Standpunkte wurden dargestellt. Meinungen sind nachvollziehbar. Und es erschienen Leserbriefe in Pro und Contra, überregional und lokal, das sowohl zu den Vorgängen in Forst, als auch allgemein zur Bewegung "Maria 2.0".

    Fehler haben auch Kritiker auf meine Nachfragen nicht konkret benannt. Ihre wiederholten Vorwürfe an die lokale Mitarbeiterin und gegen die Berichterstattung erfolgten heftig, blieben freilich meist im Ungewissen. Erst bei eigenen Nachforschungen bin ich auf den Fehler mit der Kleiderordnung gestoßen.

    Wesentliche Teile der Zeitungsberichte in Kopie am Textende.

     

    Fehlende Transparenz

    Doch der Makel bleibt: Denn wenn schon aktives Mitmachen, dann hätte auch der Auftritt in Weiß berichtet werden müssen – als Möglichkeit der Einordnung für die Leserschaft. Diese Transparenz, die vielleicht etwas hätte retten können, fehlt bislang. Klar muss aber trotzdem bleiben: Richtig wäre es gewesen, hätte die Redaktion den Auftrag gleich an eine unbefangene Person vergeben. Das bedeutet natürlich nicht, dass Redaktionsmitglieder immer meinungsfrei sind. Keineswegs. Sie müssen sich aber für andere Ansichten öffnen und auch die eigenen überprüfen. Was freilich immer für alle Journalisten gilt.

     

    Schnell und doch zu spät

    Und man lernt aus dem Fall. Die Redaktion hat schon am Tag nach dem ersten Bericht reagiert. Sie hat die Sache Forst selbst, aber doch zu spät, in die Hand genommen. Der Vorgang in der Kirche des kleinen Dorfes erregte bundesweit Aufsehen. Er musste aufgegriffen (was einige Kritiker übertrieben halten) und muss weiterverfolgt werden. Er ist von öffentlichem Interesse, was überhaupt für die Aktion Maria 2.0 gilt.

    Jenen Kritikern, die nun sogar eine Trennung von der freien Autorin, die zuerst berichtete, erwarten, halte ich entgegen: Mit Fehlern und den Ursachen verantwortlich aber unbeeinflusst umzugehen, bleibt Aufgabe der Redaktion. Auch in diesem Fall. Ein großes Stück ihrer Unabhängigkeit könnte aber verloren gehen, wollte sie Unzufriedenen einfach nachgeben. Es kann nicht im Sinne von Lesern und Nutzern sein, dass Einfluss genommen werden kann, auch nicht auf diese Weise.

    Ähnliche Leseranwalt-Kolumnen:

    "Interessensgruppen haben keinen Einfluss auf redaktionelle Entscheidungen" (2015)

    "Interessenskonflikte von Autoren müssen erkennbar sein" (2015)

    Anton Sahlender, Leseranwalt. Siehe auch www.vdmo.de

    Main-Post Haßberge 16.8.19
    An diesem ersten Bericht entzündete sich die Kritik der Leser an der Berichterstattung und der Berichterstatterin in Weiß ..

     

    Frauen aus der Kirche geworfen . MP 17.8.19
    17.8.19: Die Redaktion hat nun die Berichterstattung über die Protestaktion in Forst in der Gesamtausgabe übernommen.
    Reaktionen auf Kirchen-Eklat...MainPost 17.8.19
    Im Frankenteil am 17.8.19: Die Reaktionen nach dem Eklat von Forst ...
    Leserseite 24.August2019
    Leserstimmen am 24.8.19 zu Maria 2.0 nach den Ereignissen in Forst.
    So reagiert das Netz: Haßberge 24.8.2019
    Nur Lokal am 24. August 2019. Stimmen aus dem Netz ...

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