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    Für schwindelfreie Schönheit: Leser sollen erkennen können, wenn nicht alles Gold ist, was auf Fotos glänzt

    Leseranwalt

    Da hat mich eine besorgte Leserin ermahnt, dass das nicht erlaubt sei. Unverantwortlich und gefährlich sei es, dort zu sitzen. Wörtlich: „Das Foto ist Aufforderung, es diesen Paaren gleich zu tun.“ Sie hat mich an Unglücksfälle erinnert, die es an den Wällen schon gegeben hat.

    Ich habe mich vor Ort umgesehen. Eine abstürzende Person auf Tafeln warnt vor der drohenden Gefahr auf allen Wällen. Das trage ich warnend dem Foto nach. An schönen Tagen genießen dennoch Menschen den abendlichen Blick auf die Stadt, dort auf der Mauer. Hinter der liegt, etwa ein Meter breit, ein Grünstreifen noch vor dem Abgrund. Der Platz ist angenehm, wenn man nicht an Höhenangst (Akrophobie) leidet. So ist mir ein schwindelfreier Genuss lieber. Als Journalist halte ich fest: Geht es wirklich um gefährliche Übertretungen von Verboten, sollten sie nicht auf Zeitungsfotos mit Einladungscharakter angeboten werden. Das Bild vom abendlichen Sitzen über Würzburg – auf eigene Gefahr –, das ist jedoch vertretbar.

    Die Weisheit, dass nicht alles Gold ist, was glänzt, ereilte mich nach einem Foto am 30. Juli auf der Frankenseite: Ein Sachverständiger bestimmt darauf die Dichte von Gold. Ein flüchtiger Betrachter könnte meinen, dass es sich bei dem golden glänzenden Barren, den der Fachmann da auf die Waage legt, um pures Gold handelt. Es ist aber eine Nachbildung – das Werbefeuerzeug einer Handelsgesellschaft. Eine Frau hat das erkannt. „Schade“, schreibt sie, „dass Leser so verarscht werden.“

    Werden Sie aber nicht. Sagt die Unterzeile des Bildes doch: „Gewogen und zu leicht befunden: Mit der hydrostatischen Waage bestimmt Sachverständiger (...) die Dichte des Metalls: Das echte Stück Gold hat eine Dichte von 19,3 Gramm pro Kubikzentimeter, die Dichte des gefälschten Barren liegt deutlich darunter.“ Die Passage „zu leicht befunden“, zeigt an, dass es sich bei dem abgebildeten Barren nicht um echtes Gold handeln kann.

    Journalistisch korrekt wäre es aber gewesen, unmissverständlich einzufügen, dass eine Nachbildung fotografiert worden ist, weil der echte Goldbarren fürs Bild zu klein war.

    Dem Beitrag über Falschgold schadet die Nachbildung nicht. Eine klare Fotoerklärung hätte der Wahrhaftigkeit aber auch vor den gestrengen Augen von Experten genutzt.

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