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    LESERANWALT

    Fußball kann man überblättern

    Fans der Würzburger Kickers. Aber demgegenüber gibt es Leser, die zu viele Berichte über den Verein ablehnen. Unter dem diesem Archivbild von 2018 war zu lesen: "Beschränkte Teilhabe: Auf den Mitgliederversammlungen der Würzburger Kickers wird noch nicht einmal mehr der Präsident gewählt." Ungeachtet dessen, werden die Berichte über den Verein und seine Spiele stark genutzt. Foto: Silvia Gralla

    Weil er schon seit 40 Jahren diese Zeitung liest, sieht sich ein Leser gezwungen, mir seine Meinung mitzuteilen. Das freut mich. Möglich ist das aber auch, wenn man sie nur einmal gekauft hat. Der Würzburger Leser, kurz E.K., klagt: „Wenn ich die Zeitung aufschlage, lese ich nur Berichte von den Kickers.“

     

    Keine Geschäfte mit der Redaktion

    Klar, Herr E.K. meint den Würzburger Fußball-Drittligisten, über den zweifellos viel zu lesen ist. Und er fragt provokant, ob die Zeitung von den Kickers bezahlt werde. Nein, selbstverständlich ist das nicht der Fall. Das darf nicht sein. Und auch Herr E.K. wird das wissen. Seine Zuschrift hat er wohl so übertrieben und zugespitzt, um Wirkung zu erzielen. Denn „Geschäfte“ mit der Redaktion darf es nicht geben. Unabhängiger Journalismus wird aus dem Verkauf der Zeitung und Werbeeinnahmen finanziert.

     

    Interesse am höchstklassigen Fußballverein

    „Es gibt <..> so viele Vereine, die sich über einen Artikel freuen“, fährt Herr E.K. fort. Da hat er recht. Aber seine Zweifel daran, dass sich Leser beim Frühstück für „Profilegionäre“ und ihren Vorstand, der nicht einmal gewählt sei, interessieren, die darf er zurückstellen. Nutzungszahlen lassen großes Interesse am höchstklassigen Fußballverein im Verbreitungsgebiet dieser Zeitung erkennen.

     

    Fußball polarisiert

    Nun habe ich Herrn E.K. geantwortet, dass er die Berichte von den Kickers einfach nicht zu lesen braucht. Die Zeitung bietet doch deutlich mehr. Eine Tatsache, die sich jeder täglich erschließen kann. Mit den „Kickers“ geht die Redaktion, so meine ich, angemessen um. Dennoch verstehe ich Menschen, die das anders sehen. Fußball polarisiert, das trotz oder wegen seiner vielen Anhänger. Aber das Bemühen, andere Vereine und Sportarten im Rahmen der Möglichkeiten einer Zeitung nicht zu vernachlässigen, ist vielfältig erkennbar.

     

    Grenzen einer Tageszeitung

    Nicht leugnen lässt sich, dass über die Leistung hinaus bei der Sportberichterstattung das Publikumsinteresse und die Zahl der Wettbewerbe Maßstäbe sind. Und da gibt es Unterschiede. Am größten ist zusammengenommen der Zuspruch beim Fußball, der mit Vereinen und Ligaspielen die höchsten Zahlen aufweist. Aber auch Handballer, in der Spitze mit den Rimparer Wölfen oder die Basketballer (S.Oliver) müssen sich nicht beklagen. Darüber hinaus gibt es eine Menge mehr über das umfangreiche sportliche Geschehen in Unterfranken und der ganzen Welt zu lesen. Aber eine Zeitung, die keine Sportzeitung ist, hat auf diesem Feld ihre Grenzen. Siehe auch frühere Erklärungen zum Thema am Ende dieses Beitrages.

     

    Über die Kickers hinaus denken

    Der Kritiker droht, dass er sich wohl zur Abbestellung der Zeitung gezwungen sieht. Ich habe ihn gebeten, über die Kickers hinaus zu denken. Als Abonnent und informierter Bürger wird er nämlich gebraucht, so wie alle Leser. Die Erhaltung von unabhängigem Journalismus bedarf auch der Wirtschaftlichkeit.

    Frühere Leseranwalt-Kolumnen zum Thema:

    "Zum Kickers-Fan will ich Herrn R. aus der Rhön nicht machen". (2016)

    "Die Größe des Dirk Nowitzki in der Zeitung" (2018)

    "Die Reichweite von Lokalpatriotismus im Sportjournalismus" (2016)

    "Worte an WM-Desinteressierte" (2018)

    "Es ist fast unmöglich, in der Zeitung dem Anspruch aller Sportliebhaber gerecht zu werden" (2012)

    "Wenn Hallentitelkämpfe der Leichtathleten hinter Wintersport-Weltmeisterschaften verschwinden" (2015)

    Anton Sahlender, Leseranwalt. Siehe auch  www.vdmo.de 

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