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    Gesellschaftliche Probleme dürfen in den Medien nicht versteckt werden

    Polizeiberichte über Promillesünder, ob kleine Artikel oder ausführliche – sie nerven.“ Zumindest trifft das auf eine Kritikerin zu, die sich sicher ist, dass die Mehrheit daran nicht (mehr) interessiert ist, weder am Komasaufen, noch am „betrunken auf dem Fahrrad fahren“. „Glauben Sie mir“, schreibt mir die Dame, „es ist total uninteressant, wenn der betrunkene A in B um Mitternacht den Außenspiegel von X beschädigt hat.“

    Die Schreiberin aus einem Dorf bei Würzburg befürchtet, dass sich Jugendliche sogar freuen, wenn ihr Saufen in der Zeitung breitgetreten wird. Ihre Empfehlung: „Ein kleiner, nach rechts unten (uninteressante Stelle) gedruckter Artikel tut's sicher auch.“ Geht es Ihnen auch so wie der genervten Dame? Bevor Sie antworten, sollten Sie wissen, dass Beiträge über diese Themen gut genutzt werden. Das zeigen Leserforschungen und die Zugriffszahlen im Internet unter www.mainpost.de. Diese Zahlen sagen natürlich nichts über die Wirkung des Inhalts aus: Sind die Nutzer ebenfalls davon genervt oder lesen Jugendliche daraus Erfolge ab? Zumindest dürfen wir davon ausgehen, dass diese Beiträge über ein gesellschaftliches Problem bei ihren Nutzern mehrheitlich Interesse finden. Schließlich ist nicht anzunehmen, dass sich jemand auf diese Weise selbst zu quälen trachtet. Und die Mitteilungen über die Folgen von maßlosem Saufen bzw. von Alkohol im Straßenverkehr machen journalistisch Sinn: Sie informieren über Fehlentwicklungen, schrecken ab, warnen und beugen damit vor.

    Probleme kurzzuhalten oder zu verschweigen, nur weil sie ständig wiederkehren, darf weder im Sinne von Medien, noch Wunsch ihrer Nutzer sein. Gewünschter Erfolg wäre es vielmehr, wenn viele daran mitwirken, den Ursachen für das Saufen wirksam zu begegnen. Gelingt das, verschwindet die Problematik von selbst aus den Nachrichten. Grundsätzlich gilt, was auch Journalisten lernen müssen: Sie können nicht automatisch davon ausgehen, dass ihr Missfallen an bestimmten Medieninhalten von einer Mehrheit geteilt wird. Noch nicht einmal dann, wenn gerade Verwandte, Freunde, Nachbarn oder bedeutende Persönlichkeiten mit ihnen übereinstimmen.

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