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    Ich glaube nicht, dass Politikerinnen keifen wie Zicken

    Ein „kleiner Zickenkrieg“ beschäftigt mich. Eine der daran beteiligten Damen soll dabei etwas ziemlich Unfreundliches zurück zur anderen „gekeift“ haben. So erschließt es sich mir nach dem Lesen des Berichts. Das ist heftig. Die Beschwerde einer Frau aus Mellrichstadt stößt mich auf diese fragwürdige Passage. Sie steht im Beitrag über eine Podiumsdiskussion, bei der zwei recht bekannte Politikerinnen aus aktuellen Berliner Koalitionsparteien aneinandergerieten: die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Susanne Kastner (SPD), und die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär, mittlerweile stellvertretende Generalsekretärin ihrer Partei CSU. Die beiden haben sich offenkundig nicht geschont. So liest sich das. Selbst dabei war ich nicht.

    Ich habe aber gesucht, was sich so alles an Definitionen für menschliche Zicken findet. Was ich vor allem im Internet gelesen habe, ist nicht fein. Beispiel gefällig: „Als Zicke wird eine spezielle Gattung des Mädchens bezeichnet. Die ist meist zu erkennen an wasserstoffblonden Mähnen, an Absätzen, die höher sind als die Zicke selbst, und an einem Schutzfilm namens Make-up, den sie meist überall im Gesicht trägt.“ Einmal wird als Zicke exemplarisch Paris Hilton genannt.

    Mir scheint bei solch argen Zuspitzungen hatten Machos das Wort. Wie auch immer: Am häufigsten erlebt man, dass im Sprachgebrauch streitsüchtige weibliche Wesen als Zicken geziehen werden.

    Zicken, die keifen, sind eine weitere Steigerung. Weil sie dann wohl fauchen oder gehässig schimpfen. Andere meinen, dass sie dann geifern. Damit wären nur einige Keif-Synonyme genannt. Wahrscheinlich bedient sich, wer keift, mindestens eines unfreundlichen, lauten und noch schneidenden Tonfalls. Keifen ist halt ein ziemlich starkes Verb, das seinem Absender kein gutes Zeugnis ausstellt, weil der wohl die Beherrschung verloren hat.

    Ich wiederhole, dass ich bei jener Podiumsdiskussion selbst nicht anwesend war. Ob alles korrekt gewesen ist, was man sich dort politisch an den Kopf geworfen hat, weiß ich nicht. Politikerinnen wie Politikern empfehle ich vorbeugend, sich in Auseinandersetzungen mit Gegnern zu überlegen, welche Wirkung ihr Auftritt bei Publikum und Medien erzielen könnte. Wir brauchen doch vertrauenswürdige Volksvertreter.

    Im vorliegenden Fall mag ich aber nicht glauben, dass wirklich gekeift wurde. Sicher bin ich mir, dass es sich bei den angesprochenen Politikerinnen nicht um Zicken handelt. Folglich kann es keinen Zickenkrieg gegeben haben.

    Kurzum: Die Wortwahl im Bericht ist überzogen. Also bitte ich die geschmähten politischen Streiterinnen und die Leserin aus Mellrichstadt ausnahmsweise um Nachsicht, wenn sich – wie hier – Journalisten nicht ausreichend Gedanken über die Wirkung der gewählten Worte gemacht haben.

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