• aktualisiert:

    LESERANWALT

    Kritischer Brief an Markus Lanz: Kontroverse Diskussion erwünscht

    Markus Lanz
    Vom kritischen Samstagsbrief an den Talkmaster Markus Lanz ist eine Leserin empört. Kontroversen sind aber im Sinne der seltenen Stilform. ARCHIVFOTO - Der Moderator Markus Lanz, aufgenommen am 17.12.2015 in München (Bayern) bei der ZDF Live-Sendung "Menschen 2015". Foto: Ursula Düren /dpa Foto: Ursula Düren (dpa)
    Über den Samstagsbrief vom 6. Mai, "Markus Lanz, warum machen Sie Ihre Gäste oft zu Statisten?",    empört sich die Leserin C.S. bei mir. Sie würde sich für diesen Beitrag sogar beim TV-Talkmaster Markus Lanz entschuldigen. Auch der Redaktion schlägt sie das vor.
    Die Frau ist mit ihrer Kritik an diesem Samstagsbrief an den Talkmaster Lanz freilich die Ausnahme. Den Autor des Briefes hat sonst nämlich nur Zustimmung erreicht, darunter überaus begeisterte. Dennoch gehe ich hier speziell auf das Schreiben von Frau C.S. ein. 


    "Eine einzige Beleidigung"

    In dem Brief kritisiert der Autor den Talkmaster Lanz unter anderem für „Selbstverliebtheit“. Er höre sich zu gerne selbst reden. Wörtlich: „Sie rücken den – durchaus illuster zusammengestellten – Gästen oft zu sehr auf die Pelle. Texten sie zu. Drücken Ihre Meinung durch.“ Da hält Frau C.S. dagegen: „Diesen Schwachsinn kann man nur ausdrücken, wenn man die Sendung scheinbar nicht oft sieht oder zu sehr von sich selbst eingenommen ist.“ Das sei, so fährt sie fort, „eine einzige Beleidigung“.
     

    Auch Bekannte waren empört

    Dem Autor des Samstagsbriefes vom 6. Mai schreibt Frau C.S. ins Stammbuch: „Kritik können Sie gerne üben, aber mit diesen herabwürdigenden Zeilen für einen Menschen wie Markus Lanz sind Sie als Redakteur schwer gesunken in meiner Beurteilung, nicht nur bei mir, denn ich habe Anrufe von Bekannten bekommen, die ebenso empört waren.“
    Um des Ausgleichs willen zitiere ich auch aus dem Lob von Frau C.S. für Lanz: Der sei gut vorbereitet, sehr intelligent und smart. Er lasse die Geladenen ihre Geschichten erzählen, mal traurig, mal lustig, dann ganz einfach. Oft gebe es eine lebhafte Debatte und es werde viel gelacht dabei.
     

    Gewöhnungsbedürftiger Meinungsbeitrag

    Zugegeben, der Samstagsbrief, der den angesprochenen Personen tatsächlich zugestellt wird, ist eine in dieser Zeitung relativ neue (seit Oktober 2016) und auch in anderen Medien selten gepflegte Stilart. So ist sie bei manchen Leserinnen und Lesern noch immer gewöhnungsbedürftig. Grundsätzlich handelt es sich aber um den Meinungsbeitrag eines Journalisten. Dessen Veröffentlichung geht jeweils in Briefform auch an eine bekannte oder auch mal fiktive Persönlichkeit. Der Brief soll, so der Anspruch der Redaktion, persönlich, direkt und pointiert formuliert sein. Dabei mal emotional vorgetragen werden, mal scharfzüngig, mal mit deutlichen Worten, mal launig – und stets mit Freude an der Kontroverse. Das ist Einladung zur Debatte und zum Austausch. Im Idealfall kommt vom Adressaten selbst Post zurück.
     

    Ganz im Sinne das Samstagsbriefes

    So gelingen oft Kontroversen. Auch zum Lanz-Brief trafen viele Zuschriften ein. Die stimmten dem Autor in seiner Kritik am Talkmaster zu. Der energische Widerspruch der Leserin C.S. blieb eine Ausnahme. Ihre Bekannten haben sich leider nicht bei der Redaktion gemeldet. Folglich ist besonders dieser Leserin für ihre deutliche Wortmeldung zu danken. Sie bringt Austausch und dient der Freude an der Kontroverse. Die darf dann - ganz im Sinne des Samstagsbriefes - ebenfalls scharfzüngig und emotional ausfallen. Genau deshalb bin ich in diesem Beitrag besonders darauf eingegangen, habe darauf verzichtet, aus vielen Zustimmungen zu zitieren, die den Autor erreicht haben. Deren Absendern gebührt natürlich ebenfalls Dank.
    Auf den Idealfall, eine Antwort von Lanz, wartet die Redaktion noch.
    Zu melden waren Antworten bislang von Sahra Wagenknecht (Die Linke), Bernhard Schlereth (Fastnachtverband), Martin Sonneborn (Die Partei), Alice Schwarzer (Emma-Verlegerin), Andrea Nahles (Bundesministerin Arbeit und Soziales), für Thomas Bach durch seinen Sprecher und aus Bayerns Umweltministerium.
     

    Leben mit Kritik

    Kurz und gut: Entschuldigung aus der Redaktion für die deutliche Meinungsäußerung zu seinem Talk wird Lanz keine erhalten. Er muss mit Kritik leben. Das gilt aber gleichermaßen für scharfzüngige Autoren von Samstagsbriefen.

    Hier können Sie den Samstagsbrief vom 6. Mai 2017 abrufen: "Markus Lanz, warum machen Sie Ihre Gäste oft zu Statisten?"
    und am Ende des Beitrags lesen Sie das Konzept der Samstagsbriefe


    Anton Sahlender, Leseranwalt

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!