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    Würzburg

    Leseranwalt: Mörderischer Sprachgebrauch

    Der "Serienkiller" in einer Überschrift im Sportteil: Ein Leser erkennt statt Freude und Fairness im Sport einen „Schuss über die Latte des Erlaubten“.
    Ein Eigentor der Sportredaktion erkennt ein Leser in deren Sprachgebrauch, nicht nur in der Überschrift „Die Kickers als Serienkiller“ über einem Fußballbericht. Dieses Archivfoto ist harmlose Illustration für die Kritik an dem mörderischen Begriff. Foto: Bernd Thissen, dpa

    Zeitungsleser*innen sind sensibel, häufig sensibler als Leute, die sich vorwiegend aus dem Internet informieren. Dort ist der Umgangston bekanntlich rauer. Nun bedarf es allerdings keiner allzu starken Feinfühligkeit, um manchen sprachlichen Fehlgriff in der Zeitung abzulehnen. Ich zitiere ein Beispiel.

    Familie H. lässt mich wissen, dass sie die Bezeichnung „Serienkiller“ für eine Fußballmannschaft bisher nicht gekannt hat. Sie spricht damit eine Überschrift an, die am 10. Februar im Sportteil zu lesen war: „Die Kickers als Serienkiller“(Kopie am Textende). Und die Familie fügt hinzu: In Zeiten eines heftigen Sprachgebrauchs, durch den Menschen verleumdet würden, solle man den Schreibstil nicht auf ein solches Niveau absenken.

    "Marktschreierische Überschrift"

    Etwas härter kritisiert Leser F. S.. Er hält diese „marktschreierische Überschrift“ für unsäglich. Erfolgreiche Fußballer als „Serienkiller“ zu apostrophieren, stelle „einen Schuss über die Latte des Erlaubten und somit ein Eigentor der Redaktion dar“. Das sei unwürdig, „besonders wenn in der derselben Ausgabe über den schrecklichen Amoklauf in Thailand, dem tragischen Anlass entsprechend, angemessen und sachlich berichtet wird“. F. S. lässt erkennen, dass es beim Sport doch um Freude und Fairness gehen solle.

    Auch aus meiner Sicht hätte man jenes Wort aus der Kriminalsprache, das für einen Serienmörder stehen könnte, besser nicht für einen Fußballbericht verwendet. Die Tatsache, dass die Kickers nicht zum ersten Mal mit einem Sieg die Erfolgsserie eines Gegners beendet haben, lässt sich nüchtern und doch zutreffend sagen.

    Die Sportsprache

    Mich hat die Verwendung des Begriffes überrascht, weil sich die Sportredaktion längst von einem militärisch-kriegerischen Sprachgebrauch verabschiedet hat. Vorbei ist es mit „Abwehrschlachten“ oder „Nebenkriegsschauplätzen“, selbst wenn „Bomber der Nation“ (für Gerd Müller) diese gute Entwicklung überlebt hat.

    Dass es eine eigene Sportsprache gibt, kann man sogar Wikipedia entnehmen. Dort zählt man sie zu Sondersprachen. Sie existiere neben der Studentensprache, Soldatensprache, Jägersprache, Seemannssprache, Kanzleisprache, Ganovensprache, Fliegersprache oder Juristensprache.

    Fairness und Freude

    Nun will ich das schöne Thema Sport nicht alleine mit einem schlimmen Begriff belasten. Es liegt mir daran, darauf hinzuweisen, dass demgegenüber Fairness eine große Bedeutung für die Sportredaktion hat. Die Serie „Fair ist mehr“, die es seit 1992 gibt, wird in den nächsten Wochen wieder mit der Auszeichnung von Fairness im Sport enden. Sollten Ihnen als Leser*innen mal faire Gesten bei einem Sportereignis auffallen, melden Sie die auch der Sportredaktion oder mir. Darüber kann Freude aufkommen, wie von Herrn F. S. gewünscht.

    Hier anklicken: Fair-ist-mehr-Galaabend 2019 mit Marcel Reif

    Frühere ähnliche Leseranwalt-Kolumnen

    2008: "Wenn Zeitungen den Wörterbüchern vorauseilen"

    2008: "Meinungen über Sprache: Vom Oberlehrer zum Verhunzer"

    2010: "Eine brutale Rambo-Sprache muss nicht sein"

    2011: "Zeitungsleser sind keine Besucher einer Kleinkunstveranstaltung"

    2012: "Über die Folgen eines Schönheitsfehlers in einer emotionalen Sportreportage"

    2014: "Wider ausgeschriebene Fäkalausdrücke und für eine gereinigte Sprache in der Zeitung"

    2014: "Wenn ein sportlich großer Fußballsieg auf der Titelseite mit einem Polizeieinsatz illustriert ist"

    2016: "Die Reichweite von Lokalpatriotismus im Sportjournalismus"

    2017: "Leser vergibt 'glatte Sechs'"

    Anton Sahlender, Leseranwalt. Siehe auch www.vdmo.de

    Der Ausdruck "Serienkiller" in der Sportüberchrift vom 10.2.2020 rief zurecht Kritiker auf den Plan.  Foto: Repro

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