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    Überschriftenfehler, wie sie nicht einmal alle Allerheiligen vorkommen dürfen

    Sehr geehrter Leseranwalt, man sagte mir einmal, Zeitungen seien ,Eintagsfliegen', deshalb lohne es sich nicht, sich über Fehler aufzuregen. Normalerweise finde ich sie ganz lustig, wie zum Beispiel ,Fischwasser' (03.11.14, S. 27) statt ,Frischwasser'. Aber am 31.10.14 haben sich mir die Haare aufgestellt, als auf der Titelseite eine ,headline' lautete: ,Am 1. November gedenken Katholiken den Verstorbenen.' Das dürfte eigentlich nicht passieren.“

    Das schrieb mir eine Würzburgerin. Ich habe ihr geantwortet: „Ich wollte, ich könnte Ihnen widersprechen. Ich kann aber nicht und will es nicht. Solche Fehler dürfen, wie Sie schreiben, nicht passieren. Bei der Kritikkonferenz in der Redaktion haben sich den meisten Kolleginnen und Kollegen ebenfalls ,die Haare aufgestellt' – auch über die Frage: Wie konnte das passieren? Für solche Fehler kann ich mich nur entschuldigen und hoffen, dass wir wieder daraus gelernt haben. Liebe Frau X, bitte bleiben Sie uns als kritische Leserin gewogen.“

    „Peinlich“, haben Leserinnen und Leser geurteilt, die sich ebenfalls über den Dativ, der ein Genitiv (... gedenken ... der Verstorbenen) hätte sein müssen, beklagten. Übersehen wurde darüber in derselben auffälligen Ankündigung des Wochenend-Magazins ein zweiter Fehler, der sich gleich im nächsten Satz verbarg: „Unter ihnen ist auch ein Paar aus der Region, das sein Kind nie kennelernen durfte“. Sicher haben Sie entdeckt, wo ein Buchstabe fehlt.

    Beim Wochenend-Magazin zieht die oft bemühte Rechtfertigung vom Zeitdruck nicht. Es hat eine längere Vorlaufzeit als aktuelle Zeitungsteile. Die Fehler in der Ankündigung sind umso bedauerlicher, weil damit auf sehr lesenswerte Beiträge von drei jungen Kolleginnen zu Allerheiligen hingewiesen war. Nun hoffe ich, dass es sich tatsächlich um eine Eintagsfliege handelt, also um einen Fehler, der, wie der Volksmund nur scheinbar zutreffend sagt, „alle Allerheiligen mal vorkommt.“ Nein, am besten nicht mal alle Schaltjahre!

    Fehler schleichen sich nicht heimtückisch ein. Sie haben Ursachen. Meine Suche danach befriedigt nicht. Denn da hat sich quer durch Kontrollmechanismen Einer auf den Anderen verlassen – verlassen waren danach alle. Versichern kann ich: Es handelt sich durchweg um Kolleginnen und Kollegen, die der deutschen Sprache bestens mächtig sind.

    Schülerinnen und Schüler mögen bei der Lektüre erkennen, dass nicht alles richtig geschrieben sein muss, nur weil es schwarz auf weiß steht. Das gilt aber noch mehr für viele Botschaften aus dem Internet. Das ist keine Rechtfertigung, sondern nur Wirklichkeit.

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