• aktualisiert:

    Verständnis für einen schwulen Sozi und eine unverständliche Überschrift

    Dieses niedrige Niveau, ausgerechnet am höchsten evangelischen Feiertag (Buß- und Bettag), sei für „Protestanten ein Schlag ins Gesicht.“ Er wolle nicht wissen, was passieren würde, wäre von einem „schwulen jüdischen Sozi“ geschrieben worden.

    Wir wissen, Menschen dürfen wegen ihres Glaubens, ihrer Zugehörigkeit zu einer demokratischen Partei oder ihrer Homosexualität nicht herabgewürdigt werden. Dass das weder Absicht des Autors gewesen, noch geschehen ist, habe ich dem Leser mitgeteilt. Hat doch unser Münchner Korrespondent, Henry Stern, mit dieser zweifellos lockeren Beschreibung lediglich den Kontrast zwischen der Person dieses Landrates und – so steht es direkt dabei – dem schwärzesten Niederbayern, das er erobert hatte, deutlich machen wollen.

    So wurde Adam bei seiner Wahl bekannt. Und er selbst hat sich so geoutet. Angemessen sind derart zugespitzte Redensarten aber nur im geeigneten Einzelfall und im Kontext mit dem Kommentarinhalt. Ein willkürlicher Vergleich mit einer Person aus dem jüdischen Glauben ist nicht relevant.

    Ich meine ohnehin, dass man sich in einer aufgeklärten demokratischen Gesellschaft mit der kritisierten Bezeichnung nicht diskriminiert fühlen muss.

    Was mich ein Leser des Würzburger Lokalteils am selben Tag wissen ließ, kann ich in seinem Sinne nachempfinden. War doch das Interview mit Würzburgs sparwilligem Stadtkämmerer von der Redaktion mit einem Zitat daraus überschrieben worden: „Nichts angehen, was wir nicht schon haben“. „Auch mehrmaliges Durchlesen erhellt nicht, was mit dieser Überschrift ausgesagt werden soll“, rätselt der Leser.

    Die Überschrift sagt mir im Umkehrschluss sogar, dass nur angegangen wird, was es schon gibt. Sparsamkeit wäre das nicht, eher ein Fall für den Bund der Steuerzahler. Der Kämmerer ist im Text ähnlich schwer verständlich zitiert, „aber, wir können uns nicht leisten, neue Großprojekte anzugehen, die wir vorher nicht hatten.“ Ich vermute, er meint, dass nur begonnene Projekte vollendet, neue aber nicht angegangen werden können. Das zeigt: Auch korrekt wiedergegebene Amtssprache eignet sich oft nicht dafür, sie ohne Erklärung zu verbreiten. Journalisten sollen schließlich nicht zur Verwirrung beitragen, sondern zur Information und Orientierung ihrer Leser.

    Weitere Artikel

    Kommentare (2)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!