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    LESERANWALT

    Vorbildfunktion in eigener Verantwortung

    Artikel Main-Post Würzburg 13.9.19
    So war es am 13.9. in der Main-Post zu sehen und zu lesen. Zwei wichtige Radler ohne Helm. Da darf man nach der Vorbildfunktion fragen ...

    Manchmal gibt es Facetten einer Berichterstattung, die auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen. Viele übersehen sie dann ohnehin, anderen fallen sie aber auf. Weil es ein lehrreiches Beispiel sein kann, zitiere ich Leserin R.B., die mir jüngst geschrieben hat: „Vielleicht sollten Ihre Fotografen mal darauf achten, dass 'offizielle' Radfahrer einen Fahrradhelm aufziehen. Gerade für den 'Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen (AGFK)' sollte die Vorbildfunktion an erster Stelle stehen. Weil: Helm tragen kann Leben retten!“

     

    Es geht um die Männer ohne Helm

    Was war passiert: Die Leserin bezieht sich auf einen Beitrag aus dem Würzburger Lokalteil vom 13. September (Kopie am Textende). Der war überschrieben mit „Fahrradprüfung bestanden“. Auf einem großen Foto dazu sind vier Radfahrer gut zu erkennen, von denen zwei ohne Helm über die Alte Mainbrücke fahren. Einer davon ist Vorsitzender der AGFK. Er war in amtlicher Begleitung auf dem Rad offiziell in der Stadt unterwegs, um sie auf Fahrradfreundlichkeit zu testen. Seither darf sich Würzburg fahrradfreundlich nennen, obwohl nicht alle Probleme - so liest man - gelöst sind. Hier soll es nun aber um die Männer ohne Helm gehen.

     

    So weit geht journalistische Verantwortung nicht

    Die Frage, die mich als Leseranwalt beschäftigt, lautet: Geht journalistische Verantwortung so weit, dass ein Presse-Fotograf darauf achten muss, dass Fach-Funktionäre, die er bei einem offiziellen Anlass radelnd fotografiert, Helm tragen? Ich antworte mit Nein. Das ging im vorliegenden Fall gar nicht. Der Bildberichter konnte die offizielle Funktionärsfahrt nicht stoppen, um sie vor dem Fotografieren auf den Mangel hinzuweisen. Das Bild gibt nur ein Stück Wirklichkeit aus der Rundfahrt wieder. Hätte der Fotograf das Foto zum Ereignis selbst zusammengestellt, hätte es sein können, dass er freundlicherweise einen Hinweis auf den Mangel gegeben hätte.

     

    Die Empfehlung für den Straßenverkehr

    Der Hinweis muss aber auch nicht sein. Hierzulande gibt es für Radfahrer keine gesetzliche Helmpflicht, aber eine Empfehlung im Straßenverkehr Helm zu tragen (siehe Bußgeldkatalog). Hier geht es somit um Eigenverantwortung. Daraus versteht sich der Vorwurf von Frau R.B., dass die Vorbildfunktion und die Verantwortung von wichtigen Persönlichkeiten nicht wahrgenommen worden sei. Es könnte aber sein, dass man das wohl beim AGFK nicht ganz so eng sieht. Findet sich doch auf seinem Internetportal, auf agfk-bayern.de/, das Foto von einer dänischen Radgruppe, ebenfalls mit einigen Köpfen ohne Helm.

    Über die Notwendigkeit von Fahrradhelmen streiten sich nicht nur Gelehrte. Aber dieses Pro und Contra war hier nicht Thema.

     

    Helm kann Leben retten

    Widersprechen kann man Frau R.B. kaum, wenn sie schreibt, dass das Tragen von Helm auf dem Rad Leben retten kann. Das bestätigen Statistiken.

    Sensible Geister könnten in der Veröffentlichung noch eine Dissonanz zwischen der Überschrift („Fahrradprüfung bestanden“) und dem, was auf dem Foto (nicht) zu sehen ist, bemängeln. Glaube ich doch auch nicht, dass ohne Helm eine Fahrradprüfung zu bestehen ist. Doch der Text des Beitrages erschließt, dass es Würzburg als Stadt ist, das bestanden hat.

    Vorbeugend empfehle ich für vergleichbare Fälle dennoch: Vergessen Sie Mahnung von Frau R.B. nicht.

    Ähnliche Leseranwalt-Kolumnen:

    "Gesellschaftliche Probleme dürfen in den Medien nicht versteckt werden" (2009)

    "Gestellte Wein- und Bierseligkeit" (2019)

    "Für schwindelfeie Schönheit: Leser sollen erkennen können, wenn nicht alles glänzt, was auf dem Foto zu sehen ist" (2010)

    Anton Sahlender, Leseranwalt. Siehe auch www.vdmo.de

    Artikel Main-Post Würzburg 13.9.19
    So war es am 13.9. in der Main-Post zu sehen und zu lesen. Zwei wichtige Radler ohne Helm. Da darf man nach der Vorbildfunktion fragen ...

    Hier Online: "Warum Würzburg trotz einiger Mängel fahrradfreundlich ist"

     

     

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