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    LESERANWALT

    Warten auf die Frau in der Chefredaktion

    Frauen in die Führung...
    Wann kommt eine Frau in die Chefredaktion....?
    Gibt es bei der Tageszeitung keine Frau, kann das keine Frau oder ist keine Frau in der Chefredaktion gewünscht?“ Das hat mich vor einiger Zeit Leserin P.B. gefragt. Denn in der Zeitung vom 1. September hatte sie gelesen, dass neben dem  neu zum Stellvertretenden Chefredakteur ernannten Ivo Knahn  weitere fünf Männer die Chefredaktion bilden. Siehe auch Abbildung Impressum.
     

    Die Antwort. Hier für die gesamte Leserschaft

    Die Frage habe ich an die Chefredaktion weitergegeben. Eine aufschlussreiche Antwort erhielt Frau P.B. von Ivo Knahn, dem Neuen in der Chefredaktion. Gerne zitiere ich für die gesamte Leserschaft daraus. Die hat schließlich auch einen Anspruch darauf, denn die Journalisten greifen selbst gerne das Thema Frauenquote auf, wenn es um andere Unternehmen oder Institutionen geht.
     

    Mehr weibliche Führungskräfte

    Er kenne keine Aufgabe in der Redaktion, die ein Mann aufgrund seines Mann-Seins besser ausfüllen könne als eine Frau, schreibt Knahn an Frau P.B.. Und dieser Satz lasse sich auch umkehren. Er stellt fest: „Der Anteil an weiblichen Führungskräften ist in den vergangenen Jahren bereits deutlich gestiegen, was Teil einer gezielten Personalentwicklung ist.“
     

    Journalismus wird weiblicher

    Ohnehin werde der Journalismus weiblicher, erklärt Knahn. Auch bei der Main-Post: Zuletzt absolvierten überwiegend Frauen die Ausbildung zum/r Redakteur/in. Derzeit arbeiten für diese Zeitung etwa ein Drittel Redakteurinnen und zwei Drittel Redakteure. Das ist eine Entwicklung, die man häufig auch aus anderen Tageszeitungshäusern vernehmen kann.
     

    Mehr Frauen beim Führungsnachwuchs

    Knahn spricht sich gegen den Begriff „Quotenfrau“ aus, den er furchtbar findet. Sein Selbstverständnis sage ihm: „Jede Aufgabe hat ein Profil, und der Mensch, der diesem Profil am besten entspricht, sollte die Aufgabe übernehmen.“ Aber man könne nur auf Menschen und Qualifikationen zurückgreifen, die man habe. Seine Ernennung sieht Knahn in seiner bisherigen Arbeit begründet. Bescheiden räumt er aber ein, dass es auf dem freien Markt gewiss Frauen gebe, die die Position genauso gut oder besser ausfüllen könnten. Und er vertritt die Meinung, dass mehr Frauen in verantwortungsvolle Positionen kommen sollten. Dafür wolle er sich einsetzen. Doch dazu brauche man Zeit. Er macht Hoffnung: In Nachwuchsprogrammen der Redaktion für Führungskräfte fördere man ihrer Qualifikation wegen derzeit mehr Frauen als Männer.
     

    Zehn von Zweiunddreißig

    Er setze sich auch für Teilzeitmodelle in Führungspositionen ein, weil er unter anderem wolle, dass Mütter (und Väter) ebenfalls Führungsverantwortung übernehmen können. Insgesamt sind laut Knahn zehn von 32 Führungspositionen mit Frauen besetzt. Das entspreche fast exakt dem Männer-Frauen-Verhältnis in der Gesamtredaktion (Servicekräfte ausgeklammert).
     

    Warten auf die Frau in der Chefredaktion

    „Ich werde Ihr Blatt in Zukunft auch immer ein wenig mit Blick auf die Geschlechterverteilung beobachten“, hat Frau P.B. an Knahn geantwortet. Und: „Wenn das erste weibliche Mitglied der Chefredaktion berufen wird, werde ich sicher zu den ersten Gratulanten gehören.“ Aber auch Ivo Knahn wurde von Frau P.B. herzlich beglückwünscht.

    Die Forderung nach mehr Frauen in den Führungspostitionen des Journalismus kommt auch von Aktivistinnen des Vereins "Pro Quote". Darüber hat der Branchendienst Kress berichtet.
    Mit den Karriereambitionen von Journalistinnen hat sich das MediumMagazin unter dem Titel "Machtfragen" beschäftigt.
    Hier ein Beitrag der Forschungsgruppe Medienwandel der Uni Salzburg, die ein schwieriges Verhältnis von Frauen und Journalismus erklärt.
     
    Anton Sahlender, Leseranwalt
    Siehe auch www.vdmo.de
     

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