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    Würzburg

    Leseranwalt: Beim Nachschärfen der Netiquette helfen

    Die Redaktion braucht auch Rückmeldungen, wenn die geltenden Regeln wenig nette Kommentare auf mainpost.de mal wieder nicht ausgeschlossen haben.
    Gewaltaufrufe sind in Kommentaren auf mainpost.de nicht erlaubt. Die Netiquette verbietet sie ausdrücklich. Dafür steht dieses Symbolfoto. Doch rutscht zuweilen ein Kommentar durch, der besser nicht veröffentlicht worden wäre. 
    Gewaltaufrufe sind in Kommentaren auf mainpost.de nicht erlaubt. Die Netiquette verbietet sie ausdrücklich. Dafür steht dieses Symbolfoto. Doch rutscht zuweilen ein Kommentar durch, der besser nicht veröffentlicht worden wäre.  Foto: Frank May, dpa

    Für manche Leserinnen und Leser bleibt der raue Umgangston, der vorwiegend in Internetdiskussionen gepflegt wird, arg gewöhnungsbedürftig. Und zuweilen findet der bekanntlich auch den Weg in die digitalen Foren dieser Zeitung. Ich mache das speziell an der Kritik der Leserin, Frau A.B., mal sichtbar.

    Frau A.B. schreibt mir, dass sie im Hinblick auf den Ton mancher Foristen (Teilnehmer an Online-Diskussionen) auf Main-Post-Online inzwischen so einiges gewohnt ist. Und was sie zuletzt gelesen hat, findet sie jedenfalls unsäglich, furchtbar und verstörend.

    "... dass es nur so kracht!"

    So wird zum Artikel "Würzburger Anwalt fordert Schadenersatz für Corona-Lockdown" vom 9.7. kommentiert: "Die Schlimmsten von den Brüdern (sie meint Abmahn-Anwälte) sind ja die, die für irgendwelche fadenscheinigen Firmen Abmahnungen verschicken und sich damit ihre Nase vergolden lassen!!! <hier Smilie Erbrechen> Da gehört dazwischen gehaut dass es nur so kracht!" Man brauche, so A.B., nicht viel Phantasie, um das als gewaltverherrlichend und hetzerisch zu lesen.

    Das gelte ebenso am 10.7. für den Kommentar unter dem Beitrag "Vergewaltigungsprozess: Gericht droht Kickboxer mit Anklage wegen versuchten Mordes". Dazu heißt es: "Vielleicht findet der Angeklagte im Falle einer Haftstrafe ein paar nette neue Freunde, die seine Leidenschaft teilen und auch gerne mal fest zupacken. Nur leider sieht er die dann gar nicht, weil er in diesen Momenten ja in die ganz andere Richtung schaut…"

    Bitte um sensibleres Management

    Konstruktiv sind diese Beiträge wahrhaftig nicht, und auch aus meiner Sicht kann man darin durchaus auch Gewaltaufrufe sehen. Leserin A.B. bittet jedenfalls darum, dass ich mich für ein sensibleres Veröffentlichungsmanagement einsetze, eines, das Hate Speech (Hass-Sprache) ausschließt. Das habe ich getan.

    Vorweg: Regeln, die für Online- Kommentare gelten, heißen bekanntlich sinnstiftend "Netiquette". Doch ausgereicht haben sie nicht, die angesprochenen, keinesfalls netten Texte auszuschließen. Das, obwohl sie u.a. Aufrufe zu Gewalt und zum Hass gegen Teile der Bevölkerung, ausdrücklich verbieten.

    Konstruktiver Vorschlag

    Einem Verantwortlichen der Redaktion gefallen die kritisieren Sätze auch nicht. Doch einen offenen Aufruf zur Gewalt, erkennt er darin nicht, also keinen Verstoß gegen die Regeln der Netiquette. Er räumt ein, dass die Beurteilung nie leicht fällt. Deshalb rutsche zuweilen eine Formulierung durch, die besser nicht erschienen wäre.

    Konstruktiv schlägt er vor: Wem grenzwertige Texte auffallen, solle sie der Redaktion über die "Kommentare-melden-Funktion" vermitteln. Die sei dankbar für jeden Hinweis, wie für den von Frau A.B.. Dadurch könnten nötigenfalls die Regeln in der Netiquette nachgeschärft werden. Aber: auch nachträgliche Löschungen sind online auf mainpost.de immer möglich.

    Hier zum Nachlesen die Netiquette-Regeln.

    Frühere Leseranwalt-Kolumnen zu Internet-Kommentierungen:

    2014: "Kann man die Karikatur einer Weihnachtskrippe wirklich so gründlich missverstehen"

    2015: "Wo die Begegnung von Klarnamen in der Zeitung mit Online-Pseudonymen Ärger bereitet"

    2018: "Diskussionsmüll vermeiden"

    2019: "Das Missverständnis mit der Zensur"

    2020: "Es gibt keine gute Hass-Sprache"

    Anton Sahlender, Leseranwalt. Siehe auch Vereinigung der Medien-Ombudsleute

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