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    Die Daseinsvorsorge wurde heruntergewirtschaftet

    Zum Leitartikel „Ohne Globalisierung gäbe es keine Corona-Krise“ (27.3.):

    Bravo, bravo, hervorragend gemacht Herr Quack. Jedem Satz in ihrem äußerst interessanten und informativen Leitartikel kann ich inhaltlich voll zustimmen. Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Inhaltlich spare ich mir die Erläuterungen von Einzelheiten und hoffe, dass der Leitartikel nicht nur einmal gelesen wird. Politikerinnen und Politikern empfehle ich, den Artikel auszuschneiden, übers Bett zu hängen und jeden Tag zu lesen. Die Globalisierung muss wieder auf ein vernünftiges Maß zurückgebracht werden! Zu meiner Berufszeit galt man als etwas angestaubt, wenn man bei der beginnenden Globalisierung nicht sofort ein Hurra ausgerufen hat. Ich besitze zur Zeit noch ein „schwarzes“ Parteibuch. Ich werde aber Politikerinnen und Politikern zukünftig nur meine Zustimmung bei einer Wahl geben, wenn diese sich nachweislich ernsthaft für folgende Ziele einsetzen: Erhalt der kleinen Krankenhäuser, mehr Pflegepersonal mit besserer Bezahlung, keine Ablehnung staatlicherseits von Anträgen von Forschungseinrichtungen für die Entwicklung von neuen Arzneimitteln und Impfstoffen, selbst auf die Gefahr hin, dass für Globalisierung, Elektromobilität und Digitalisierung weniger Geld zur Verfügung steht! Vor allem müssen wieder mehr lebenswichtige Medikamente und Hilfsmittel in Deutschland und Europa hergestellt werden. Dieser Auftrag ergeht auch an die forschende Pharma – und Chemische Industrie.

    Dr. Peter Hartmann, 97350 Mainbernheim

    Herr Quack hat recht. Aber warum haben wir die Globalisierung? Die Antwort auf diese Frage hat Herr Quack auch gegeben. Der monetäre Erfolg dominiert immer mehr Lebensbereiche. Man kann es auch anders ausdrücken, nämlich Gewinnmaximierung geht vor (sozialer) Sicherheit. Früher – so arg lange ist es nicht her – gehörten Krankenhäuser wie Schulen, Polizei, Bundeswehr (auch die Verteidigungsfähigkeit ist Daseinsvorsoge!), die Verkehrsinfrastruktur, Ver- und Entsorgung, Katastrophenschutz und vieles andere mehr zur Daseinsvorsorge des Staates für die Gesellschaft. Diese Bereiche mussten sparsam und wirtschaftlich, nicht gewinnorientiert arbeiten. Heute werden die dafür der Krankenhäuser und andere Institutionen der Daseinsvorsorge in den Wettbewerb mit Unternehmen geschickt, deren erste Pflicht ist, Gewinne zu erwirtschaften. Das führte wie in anderen Bereichen der Daseinsvorsorge zu einem Wettbewerb namens „loan management“, auf Deutsch: schlanke Verwaltung. Die Daseinsvorsorge wurde von unseren Politikern auf Empfehlung von Beraten der freien Wirtschaft auf Grundlastfähigkeit heruntergewirtschaftet. Zielsetzung war und ist noch, mit möglichst wenig Personal, das zudem nur mäßig entlohnt wird, das für Normalzeiten Notwendige gerade mal zu leisten. Fast alle Bereiche, mit denen Geld zu verdienen ist, wurden „liberalisiert“. In der Schule habe ich einmal gelernt, dass dafür der Begriff Nachtwächterstaat steht. Heute sagt man schlanker Staat dazu. Wundert es da noch, dass öffentliche Krankenhäuser in personeller und sachlicher Hinsicht „auf Kante genäht“, in welchen Zustand unsere Schulen sind? Nur gut, dass unsere Trinkwasserversorgung (noch) nicht in die Hände gewinnorientierter Unternehmen gefallen ist. Ich bin gespannt, wann unsere Politiker und Wirtschaftler wieder ihre rosarote Brillen aufsetzen und fest daran glauben, dass Katastrophen irgendwelcher Art nur bei den anderen stattfinden und deshalb die Grundlastfähigkeit der Daseinsvorsorge des Staates wieder kleingeredet werden kann.

    Bernhard Huth, 97078 Würzburg

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