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    Die Unmöglichkeit vollständige Sicherheit zu gewährleisten

    In seinem Leitartikel hat sich der Autor mit dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und dem Attentat von Wächtersbach, bei dem ein junger Eritreer angeschossen und lebensgefährlich verletzt wurde, befaßt. Er schreibt zu Recht, dass sich Hass, Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt zunehmend in unserer Gesellschaft ausbreiten. Allerdings ist es schade, dass der Leitartikler nicht auch auf den heimtückischen Mord einging, der sich beinahe zeitgleich zum Wächtersbacher Attentat, am Bahnhof im nordrheinwestfälischen Vörde ereignete und bei dem eine 34-jährige verheiratete Mutter vor einen einfahrenden Regionalzug gestoßen wurde. Das zufällig ausgesuchte Opfer hatte keine Chance, es verstarb am Unfallort. Der Mann, der die Frau vor den Zug gestoßen hatte, wurde von einem beherzten Bahnsteigpassanten, der lt. Presseberichten aus dem Irak stammt, festgehalten und der Polizei übergeben. Der mutmaßliche Täter ist - nach lokalen und überregionalen Presseberichten - ein polizeibekannter und verhaltensauffälliger Randalierer, der in seinem NRW-Wohnort bereits durch verschiedene Vorfälle von Ruhestörung, Sachbeschädigung aufgefallen und auch schon straffällig geworden sei. Im Gegensatz zum Verbrechen in Wächtersbach wurde nicht über Protestdemonstrationen von Antifa-Gruppen in Voerde berichtet, auch nicht von einer Stellungnahme der Bundesregierung dazu. Haß, Wut und Rassismus sind – wie es scheint – nicht nur auf einer Seite vertreten. Die heimtückischen Untaten in Voerde, jüngst in Frankfurt und früher auch anderswo, zeigen die Unmöglichkeit, der Bevölkerung gerade an den Brennpunkten des öffentlichen Verkehrs, wie den Bahnhöfen, U-Bahn- und Bushaltestellen, selbst in den Zügen, vollkommene Sicherheit zu gewährleisten. Als langjähriger Bahnfahrer muss ich sagen, dass ich bis vor wenigen Jahren, unbeschwerter Bahnreisen genoß. Das Gefühl der Unsicherheit an solchen Orten, auch in den Zügen, das sich bei den vom Verfasser des Leitartikels so genannten „Anständigen“ (das Gegenteil wären die „Unanständigen“) verstärkt auftreten wird, wird der politisch gewollten Hinwendung zur verstärkten Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs, nicht gerade förderlich sein. In ihren Hochsicherheitstrakten abgeschottete Politiker, die ausschließlich mit Polizei- und Personenschutz in abgedunkelten Limousinen durch die Lande eskortiert werden, können dieses sich verstärkende Gefühl der Unsicherheit der Menschen unseres Landes, die an U-Bahnstationen, überfüllten (in Großstädten) oder menschenleeren (auf dem Lande) Bahnsteigen oder Bushaltestellen, auf Bahnen und Busse warten müssen, kaum nachempfinden.

    Roland Wolfrum, 97526 Sennfeld

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