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    Drei Optionen für die Energiewende

    Zum Artikel "Bauern protestieren gegen Südlink und Agrarpaket" (9.3.):

    Die Gegner von Südlink – BI und Bürgermeister Werner -  lehnen die Stromtrassen ab, mit denen lt. Planungsbehörden Strom von den windreichen Gebieten im Norden nach Süddeutschland übertragen werden soll. Die Begründungen: Die Trassen seien gar nicht für den bayerischen Strombedarf, sondern dienen den Konzernen nur zum Profit für europaweite Fernübertragung von Norden nach Süden. Warum dann ausgerechnet in Bergrheinfeld die Umwandlung von Gleichstrom in Wechselstrom stattfinden soll, anstatt in Innsbruck oder Mailand, erschließt sich nicht wirklich. Rechtsanwalt Baumann bezog sich auf einen SPIEGEL-Artikel und verstieg sich gar in die Spekulation  die Trassen seien für spätere Kernkraftwerke vorgesehen. Tatsächlich berichtet „Der SPIEGEL“ (Nr. 51/2019 , S112) von amerikanischen Start ups – Terrapower u. NuScale – die Prototypen für kleine Kernkraftwerke mit 60MW Leistung speziell für Kraft-Wärme Kopplung und dezentrale Einbindung in Netzwerke entwickeln wollen; sollten diese jemals erfolgreich sein, Gleichstromtrassen für große Strommengen werden dafür ganz bestimmt nicht benötigt.

    Inzwischen fällt auf: in Deutschland herrscht in der Bevölkerung ein hohes Anspruchsdenken , stetige Wohlstandsteigerung wird erwartet, die Konsequenzen will man   aber vor der eigenen Haustüre nicht hinnehmen (Not in my backyard).

    Für die CO2 freie/ arme Energiewende gibt es für Süddeutschland prinzipiell 3 Optionen.

    Opt. 1: Weiterer moderater landschaftsverträglicher Ausbau von Photovoltaik und Windkraft plus großtechnologische Trassen zur Übertragung großer Strommengen aus dem windreichen Norden/ Offshore.

    Opt.2: Dezentrale Energieversorgung für Bayern mit erneuerbarer Energie (ohne Biogas aus Landwirtschaft) und entsprechenden Speicherkapazitäten. Photovoltaik alleine wird nicht reichen, sie liefert keinen Beitrag nachts und bei langen trüben Wetterperioden. Ohne erheblichen Ausbau der Windkraft wird das nicht gehen. Ende 2018 waren ca. 1100 WKA in Bayern installiert, in 2019 plus 2, der Ausbau der Windenergie in Bayern ist aufgrund des Bürgerwiderstandes zum Stillstand gekommen. Um eine Vorstellung zu bekommen, wie viel Zubau notwendig wäre: für die Umstellung von PKWs/Kombi auf E-Mobilität würde der jährliche Kraftstoffverbrauch in Bayern von ca. 62 Mrd KWh alleine ca. 5800 Windkraftanlagen (20% Nutzungsgrad, 2,4 MW Anlagen) erfordern. Weitere tausende von Anlagen wären notwendig um den Anteil der erneuerbaren Energien von 44 % (2017) auf das Ziel 70 % in 2025 (bay. Wirtschaftsministerium) zu hieven und die Strom intensiven Server-Farmen (Digitalisierung, Clouds, 5G Mobilfunk u.a.) zu betreiben.

    Opt. 3: Zubau von Photovoltaik in Bayern, keine Stromtrassen und nur vereinzelter Ausbau von Windkraft. In der Konsequenz würden Stromlücken und höhere Kosten die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die großen Stromverbraucher von Industrie und Gewerbe ihre Produktion in den Norden bzw. Ostdeutschland verlagern. Ein erstes Beispiel ist bereits die neue Gigafabrik von TESLA in Brandenburg. Dann wäre es allerdings vorbei mit bayerischer Überheblichkeit, gut bezahlten Industriearbeitsplätzen und Wohlstandsteigerung.

    Hinsichtlich der Energiewende ist der bay. Wirtschaftsminister Aiwanger offensichtlich ein Totalausfall, die Einladung der BI nahm er nicht wahr. Es ist wohl gefälliger über Taschenmesser zu schwadronieren als den Bürgern ein substanzielles Angebot zur Energiewende zu machen. Gefordert ist jetzt Ministerpräsident Söder dem bay. Wahlvolk die Optionen aufzuzeigen und eventuell per Volksentscheid eine mehrheitliche Entscheidung abzuverlangen.

    Erwin Hartmann, 97493 Bergrheinfeld

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