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    Es sind Frauen, denen die Kirche noch nicht egal ist

    Als ich meinem 90-jährigen Onkel – ein für seine Zeit aufgeschlossener Priester, Religionslehrer – sagte, dass ich Wortgottesdienste leite, meinte er kurz und bündig „da bin ich ganz dagegen“. Ich war überrascht – vor allem über die Begründung: „Der Zölibat ist die Ursache, dass den Gemeinden die Eucharistie vorenthalten wird. Und weil es nicht mehr genug Priester gibt, versucht man alle möglichen Lösungen, um zu umgehen, dass Verheiratete geweiht werden.“ Durch die Erfindung von großen Pfarreiengemeinschaften wird Gemeinden die regelmäßige Eucharistiefeier vorenthalten. Der offizielle Wunsch ist, dass Wortgottesfeiern ohne Kommunion stattfinden. Es gibt keine zuverlässigen Gottesdienstzeiten mehr in einzelnen Pfarreien. Man muss im Pfarrbrief schauen, wann wo Gottesdienst ist. Und plötzlich regen sich Bischöfe auf, dass Frauen an einem einzigen Sonntag im Rahmen des Streiks der Eucharistiefeier fernbleiben?! In jeder noch so kleinen Pfarrgemeinde gäbe es Menschen, die in der Lage wären, einer Eucharistiefeier vorzustehen. Die Aussage des Theologen Paul Zulehner vor Jahren ist stimmig: „Wir haben keinen Priestermangel, wir haben einen Weihemangel.“ Es ist Mut der Frauen von „Maria 2.0“, dass sie auf den Notstand aufmerksam machen. Es sind Frauen, denen die Kirche noch nicht egal ist. Mir gibt zu denken, dass wir in der Jugend zwar die Kirche kritisiert haben, aber „in“ der Kirche waren. Vielen der heutigen Jugend ist die Kirche egal – sie haben den Zugang verloren. Von den Jungen kommen kaum noch Veränderungsvorschläge, was die Kirche betrifft.

    Luitgard Hubert, 97285 Röttingen

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