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    Niemand wird zu einer möglichen Organspende gezwungen

    Geradezu bestürzt habe ich den Kommentar Ihres Mitarbeiters zu den Plänen gelesen, die Bedingungen für die Organspende auf eine Wiederspruchlösung umzustellen. Er spricht in diesem Zusammenhang über ein Ersatzteillager. Eine solche Wiederholung von Plattitüden verhöhnt geradezu die Bedürfnisse der Patienten, die auf ein Organ warten. Hat er denn jemals das Elend in einer Dialysepraxis gesehen oder auf einer Intensivstation, in der ein junger Patient an einem Kunstherzen auf eine Organspende wartet? Wir sind jetzt so weit, dass pro Tag deutschlandeweit nur noch circa zwei Patienten Organe spenden, mit sinkender Tendenz. Ja und er hat aber recht, es gäbe bessere Möglichkeiten, als bislang genutzt, für die Organspende zu werben. Möglich wäre es zum Beispiel für Ihre Zeitung gewesen, in eine solche Einrichtung zu gehen, in der Patienten auf eine Organspende warten, und einen Bericht über das Leiden zu bringen, anstatt die wenigen Organspender, die es gibt, weiter zu diskreditieren.

    Dr. M. Dobler, 97753 Karlstadt

    Laut Umfragen ist die überwiegende Mehrheit der Bürger in unserem Land prinzipiell bereit, die eigenen Organe nach dem Ableben noch für andere zu spenden. Wenn, wie in vielen anderen Ländern, jeder automatisch potenzieller Organspender wäre, wären die meisten damit einverstanden. Wer nicht spenden will, kann ja widersprechen. Niemand wird zu einer möglichen Spende gezwungen. Bei uns genügt die einfache Bereitschaft allerdings nicht. Der Gesetzgeber zwingt jeden Einzelnen dazu, seine Organe auch noch freiwillig anzubieten – durch den Organspendeausweis. Eine unvernünftige Regelung. Passiv durch einen Unglücksfall Organspender zu werden, ist akzeptabel. Der Spender bekommt davon sicher nichts mehr mit. Aktiv zu Lebzeiten die Organe zur Verfügung zu stellen ist dagegen ein Schritt, den man bewusst gehen muss und der vielen zu weit geht. Ich kann gut verstehen, wenn man davor zurückschreckt. Kein Wunder, dass bei uns viele Schwerstkranke vergeblich auf mögliche Organspenden warten müssen.

    Angelika Serger, 97261 Güntersleben

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