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    Nötig ist eine verantwortungsvolle und aufrichtige Diskussion

    Die intensive Diskussion um Erderwärmung und Klimawandel erweckt meist den irreführenden Eindruck: Wenn wir Deutschen nicht sofort unsere C02-Emissionen reduzieren, ist es zu spät für das Weltklima. Vernachlässigt wird die entscheidende Tatsache, dass wir allein mit Maßnahmen bei uns im Land nicht einmal theoretisch die anthropogene Erderwärmung spürbar verringern, geschweige denn stoppen können – selbst wenn es uns gelingen würde, alle unsere klimaschädlichen Einflüsse auf Null herunterzufahren, was utopisch ist.

    Wir produzieren gut 2 Prozent der weltweiten energiebedingten C02-Emissionen, die insgesamt ca. 55 Prozent der drohenden Erderwärmung von 2 Grad ausmachen. Da sich unser klimaschädlicher Kohlendioxidausstoß nicht annähernd annullieren, sondern vielleicht halbieren lässt, können wir Deutschen die drohende Erderwärmung realistisch nur um ca. 0,011 Grad Celsius reduzieren. Mehr als der sprichwörtliche „Tropfen auf den heißen Stein“? Selbst mit dem Einsatz von „100 oder mehr Milliarden Euro“ und nach dem Motto „Alles für den Klimaschutz“ können wir allein im nationalen Alleingang nicht mehr erreichen. Wollen wir wirklich wie Don Quijote gegen Windmühlen kämpfen – ohne sinnvollen Klima-Effekt?

    Diese ungeliebte Wahrheit sind Politik und Presse dem Wähler als Souverän schuldig, damit er von einer realistischen Basis mitentscheiden kann, was ihm die globale Klimapolitik wert ist und wo sie ansetzen muss, um das „Übel an der Wurzel zu packen“ und potenziell erfolgreich und effizient sein zu können. Die europäische Ebene allein reicht leider auch nicht; denn die gesamte EU könnte nach obiger Annahme mit ihrem Anteil von 16 Prozent am globalen C02-Ausstoß die Erderwärmung realistisch nur um 0,08 Grad reduzieren. Spürbar?

    Die Tendenz ist fallend gegenüber Ländern wie China, USA, Indien, Russland, Japan, Brasilien und den Entwicklungsländern. Nötig ist eine verantwortungsvolle und aufrichtige Diskussion aus einer ganzheitlichen Sicht, mit Augenmaß, Sachlichkeit, orientiert am Machbaren und mit internationaler Beteiligung, sonst laufen unsere Bemühungen global ins Leere. Hohe Emotionalisierung und Scheuklappendenken mögen für einen Regierungswechsel wie einst in Baden-Württemberg mit Stuttgart 21 tauglich sein, der Sache werden sie wohl genauso „viel“ nützen.

    Damit ich nicht missverstanden werde: Nichtsdestoweniger kann es gute Gründe geben, eine Vorbildfunktion und Vorreiterrolle im Klimaschutz, auch aus historischer Verantwortung, zu übernehmen, aber zielorientiert am Machbaren, nicht nur am Wünschenswerten. Sonst reden wir einer teuren, völlig ineffizienten Phantom-Politik das Wort und vergeuden unsere Ressourcen weitgehend wirkungslos.

    Wolfgang Brückner, 97271 Kleinrinderfeld

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