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    Pflege kaputtgespart

    Schon seit Jahren werden die Missstände im Pflegebereich angeprangert. Nun hat sich die Situation des Pflegekräftemangels derart zugespitzt, dass sich das Thema nicht mehr vom Radar der Öffentlichkeit verdrängen lässt. Der Markt für gut ausgebildete Fachkräfte ist leergefegt. Bleibt die Frage, wie es so weit kommen konnte? Die Antwort ist erschreckend einfach: Im Gesundheitswesen hat eine Ökonomisierung zulasten des Pflegepersonals stattgefunden. Oder kurz gesagt, dieser Bereich ist kaputtgespart worden. Immer mehr Arbeit in immer kürzerer Zeit, erhöhter Dokumentationsaufwand und ungünstige Dienstzeiten, die ein Privatleben kaum noch zulassen. Lange Jahre wurden die Strukturen, die im Zuge der Rationalisierung entstanden sind, von der Politik bereitwillig gefördert. Aber es ist nicht nur die Politik in der Pflicht, sondern wir als Gesellschaft. Denn nicht nur die Arbeitsbelastung ist gewachsen, sondern auch unsere Erwartungshaltung an jene, die als Pflegekräfte tätig sind. Alte und Kranke sollen in den Genuss einer hochqualitativen Pflege kommen, schließlich bezahlt man Krankenkassenbeiträge. Wenn wir ehrlich sind, verlassen wir uns schon seit Jahren auf die Gutmütigkeit von Menschen, die bereitwillig einen höchst verantwortungsvollen Beruf für geringe Entlohnung ergreifen. Und wenn wir schon bei Ehrlichkeit sind: All die politischen Maßnahmen, die nun auf die Erhöhung von Pflegestellen abzielen, können nicht funktionieren, wenn niemand mehr da ist, um diese Stellen zu besetzen. Keineswegs werden zu wenige Fachkräfte ausgebildet, nur sind diese nicht mehr bereit, die schlechten Arbeitsbedingungen mitzutragen und verlassen den Berufszweig nach kurzer Zeit wieder.

    Jessica Holy, 97070 Würzburg

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