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    Scham, Wut und Verzweiflung

    Mit einer Mischung aus Scham, Wut und Verzweiflung muss ich immer wieder erleben, dass nach allem, was in unserm Land unseren jüdischen Bürgern und Glaubensbrüdern in Europa angetan wurde, nach dem Ende der Nazidiktatur nicht dazu geführt hat, dass diese Menschen, die hiergeblieben sind oder zurückkamen, nicht in Ruhe hier leben können. Dadurch, dass sie wieder hier sind, hier leben wollen, zeigen sie, dass sie trotz allem Deutsche sein wollen, im Land ihrer Vorfahren und ihrer Sprache, ihre Pflichten erfüllen und ihre Rechte erfahren dürfen. Wer ihnen das streitig machen will, sie diffamiert, beleidigt oder angreift, hat nicht nur nichts aus der Geschichte gelernt, sondern bricht die Gesetze der Bundesrepublik, der Menschenrechte und des Anstands. Und er vergisst auch, was unzählige Deutsche jüdischen Glaubens für Deutsche Kunst, Wissenschaft, Lehre, Sprache und Kultur beigetragen haben. Schon in den 50er, 60er Jahren habe ich mit Schrecken erkennen müssen, dass an den Stamm-tischen, aber auch in der Politik, bei Bundeswehr und Polizei im Zuge der Linksphobie die ganz weit Rechten ungeniert in der Öffentlichkeit agieren durften. Damals dachte ich, dass die Ewiggestrigen schließlich aussterben würden. Mit demselben Entsetzen sehe ich, wie heute in der Presse – dort vornehmlich auch in Leserbriefen dem Rechtstrend Freiflächen geboten werden. Das wäre noch zu ertragen. Was aber im Internet sich quasi anonym und aggressiv tummeln darf und einfach hingenommen wird, ist unerträglich.

    Helmut Försch, 97078 Würzburg

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