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    Selbst einen Beitrag zum Artenschutz leisten

    Diesen Bio-Landwirten kann ich nur zustimmen: Was nützt uns ein Volksbegehren, wenn wir vor allem die Landwirtschaft anprangern, den Staat fordern, aber selbst nichts dagegen tun? Ich möchte nicht wissen, wie viele Personen hier das Volksbegehren unterschrieben haben, gleichzeitig aber ihren Rasen mit Unkrautvernichtungsmittel behandeln? Oder aber unterschreiben, sich jedoch vorher an den nicht gemähten Wiesen auf der Landesgartenschau gestört haben. Genauso schlimm: Am Freitag Schule schwänzen, an der Demo teilnehmen, sich aber am nächsten Tag mit dem Auto die 300 Meter zur Schule fahren lassen? Solche Beispiele könnte man beliebig fortsetzen – moderner Ablasshandel, oder einfach nur das Gewissen beruhigen? Den Staat damit beauftragen: Was soll hierbei herauskommen: Hat nicht der Staat dafür gesorgt, dass es immer mehr Großbetriebe in der Landwirtschaft gibt, nur um die Lebensmittelpreise niedrig zu halten? Dafür haben wir jetzt die Nitratprobleme und wissen nicht wohin mit der Gülle. Wer hat denn die ganzen Hecken und Brachflächen entfernen lassen: Nicht die Landwirtschaft, sondern der Staat mit seinen Flurbereinigungen. (Siehe z.B. Heckenstreifen wegmulchen – Leserbrief vom 11.02.2019 – vielleicht sollte sich der Autor mal informieren, ob es nicht auch hierzu Vorgaben vom Staat gibt!). Aber sind wir als Verbraucher nicht Großteils auch selbst daran schuld? Auch ich komme aus der Landwirtschaft und kann mich noch gut daran erinnern, als meine Eltern Hausschlachtungen machten. Diese Schweine wurden anders gefüttert, als die, die verkauft wurden: Der Metzger wollte nur mageres, helles Fleisch, ansonsten hat er dafür nur weniger bezahlt oder sie gar nicht gekauft, da der Verbraucher keinerlei Fett im Fleisch wollte. Wäre es hier nicht sinnvoller, etwas weniger Fleisch zu essen, dafür aber mit besserer Qualität, tiergerechter Erzeugung und etwas teurer? Oder Glyphosat: Mein Neffe bewirtschaftet einen Bauernhof von „nur“ ca. 100 ha (konventionell), verwendet trotzdem schon seit Jahren kein Glyphosat mehr. Warum unser Landwirtschaftsminister trotzdem gegen ein Verbot war, kann sich jeder anhand der oben genannten Punkte (v.a. Großbetriebe, billige Lebensmittel) selbst zusammenreimen. Und überall, wo der Staat eingreift, wird es doch nicht besser; und wo er eingreifen sollte wie z.B. bei der Autoindustrie, unterlässt er es. Oder auch Bio-Landwirtschaft: Jetzt soll ein Landwirt möglicherweise bis zu 700 Euro/ha Subventionen bekommen, wenn er für mindestens 5 Jahre auf Bio umstellt. Was wird wohl die Konsequenz sein: Die Großbetriebe (z.B. 1000 ha) werden diese Subventionen (also z.B. ca. 700.000 € ) gerne mitnehmen, dadurch den Bio-Markt kaputt machen, und wenn dieser kaputt ist, nach 5 Jahren wieder auf konventionelle Landwirtschaft umstellen. Zusammenfassung: Auch ich finde es unbedingt notwendig, dass hier ein Umdenken erfolgen und entsprechende Korrekturen eingeleitet werden müssen. Aber meines Erachtens sollten wir nicht darauf drängen oder warten, bis der Staat uns Vorgaben macht und wir durch unsere Unterschrift unser Gewissen beruhigen. Wir können doch auch jetzt schon teilweise zu Fuß gehen, ein Fahrrad nehmen und müssen nicht mit 200 km/h über die Autobahn rasen. Oder im eigenen Garten weniger Chemie verwenden, ein Stück unseres Rasens in eine Blumenwiese verwandeln und nicht erst jahrelang warten, bis der Staat (dann hoffentlich die richtigen) Maßnahmen ergreift.

    Hermann Eschenbacher, 97234 Reichenberg

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