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    Überzogene Panikmache

    Dem passend zur Urlaubszeit im Bayern-Teil platzierten Artikel fehlt eine sachlich fundierte und nüchterne Einordnung. Eingeleitet durch einen Aufmacher auf der Titelseite mit einem Rettungshubschrauber in den Bergen als großformatiges Foto und der abschließenden Frage: was ist los im Allgäu? werden hohe Erwartungen geweckt. Politische Versäumnisse, waghalsige Abenteurer, todesmutige Trendsetter? Nach dem Durchlesen des Artikels sieht die Wirklichkeit völlig anders aus. Der Aufmacher entpuppt sich als völlig überzogene Panikmache und lässt die journalistische Qualität fragwürdig erscheinen. Welche Intention wurde von Frau Sartor mit dem Artikel verfolgt? Und das schönste, um die Schieflage des Berichtes zu ermessen, muss man gar nicht recherchieren, Statistiken oder das Internet bemühen, alle Informationen, die nahe legen, dass das Thema keine Rede wert ist, liefert der Artikel gleich selbst mit. Wenn in den Bergregionen die Übernachtungszahlen in den vergangenen zwölf Jahren um 95 Prozent gestiegen sind, dann ist eine knappe Verdopplung der Einsatzzahlen der Bergretter kein signifikanter Anstieg, der nicht erklärbar scheint. Die Todeszahlen im gleichen Zeitraum sind von 85 auf 93 Fälle gestiegen. Sicherlich ist jeder Todesfall einer zu. viel, aber die Zahlen lassen vermuten, dass die doppelte Anzahl der Touristen nur einen 10-Prozent-Anstieg an Todesfällen herbei führt. Warum der Bergtourismus sicherer geworden ist, das wäre eine interessante Frage, die leider im Artikel nicht aufgeklärt wird. Stattdessen zählt Frau Sartor zu Beginn des Artikels fast eine gesamte Spalte lang tödliche Einzelschiksale in den Bergen auf. Was soll das? Wollen wir lesen, dass ein 38 jähriger Mann 60 Meter in die Tiefe stürzte und ein 68 Jähriger 150 Meter? Wollten wir das lesen, bräuchten wir uns nicht über Gaffer bei Verkehrsunfällen aufregen. Selbst der einzige, fachkundige Kronzeuge, der Geschäftsstellenleiter der Allgäuer Bergwacht erwähnt, dass die Unfallzahlen schlicht mit den Besucherzahlen korrelieren und kein dramatischer Trend zu erkennen sei. Darüber hinaus führt er an, dass sicher mangelnde Ausrüstung oder Selbstüberschätzung Gründe für Unfälle sind, aber die Mehrzahl der Unglücksfälle schlicht und ergreifend Pech geschuldet sind. Und das war’s auch schon mit der Gefahr die droht. Als Abonnent der Mainpost kann einen noch trösten, dass Frau Sartor den Artikel für die Augsburger Allgemeine geschrieben hat und er nur hier abgedruckt ist. Erschreckend dennoch, dass die Mainpost einem „Nicht“-Thema eine halbe Titelseite und eine ganze Seite im Bayernteil spendiert. Aussagelose und inhaltsleere Nachrichten sind auf Twitter weit besser aufgehoben, weil zeichenbegrenzt.

    Dirk Nitschke, 97318 Kitzingen

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