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    Unreflektierte Berichterstattung über die WM in Katar

    Da wird in einem autoritär regierten Emirat am Golf die Weltmeisterschaft der Leichtathleten durchgeführt und keine, respektive nur wenige Zuschauer sind im Stadion oder an den Lauf- und Gehstrecken. Es ist in der Tat eine Schande sondergleichen und Untergrabung der Ehre und Wertschätzung aller teilnehmenden Leichtathleten, die sich in vielen Disziplinen bei meist unerträglicher Hitze abplagen und dann teils vor Erschöpfung taumeln. Wie konnten sich die vielen Sportverbände der Welt für Weltmeisterschaften in einem Wüstenstaat am Golf entscheiden? Sehr wohl spielte dabei das liebe Geld die große Rolle! Im Zwergstaat Katar, dem größten Flüssiggas-Exporteur der Welt, spielt Geld zwar keine Rolle, dennoch ist völlig unverständlich, warum z.B. die vielen Fremdarbeitskräfte für die Bauten/Erstellung der exklusiven Sportanlagen mäßig bis sehr mäßig bezahlt werden und in primitiven Unterkünften hausen müssen. Anscheinend ist für die Emirs die Würde des arbeitenden Menschen ein Fremdwort.

    Georg Schmidmeier sen., 97076 Würzburg

    Ich hatte die Chance, unmittelbar vor der WM Doha zu besuchen und gewann einen wirklich überraschend positiven Eindruck von diesem aufgeschlossenen, fortschrittlichen, zukunftsorientierten und freundlichen Land. Umso mehr ärgert mich die unreflektierte Berichterstattung z.B. in der ARD, aber auch in Ihrer Zeitung über die WM. Die ARD nennt die Besucherzahlen „beschämend“, sie beklagen, dass „nur“ 10 000 Besucher das 100-Meter-Rennen der Männer sahen. Ja, bei der EM in Berlin sei das alles besser gewesen. Vielleicht sollte man, wenn man überhaupt fair berichten will, auch die Einwohnerzahlen vergleichen. Ganz Katar zählt 313 000 Einheimische und 2,3 Millionen nicht einheimische Gastarbeiter. Dass die Gastarbeiter in Katar nicht ihre Arbeitsstellen verlassen, um ihrem Vergnügen nachgehen, kann man ihnen wohl nicht zum Vorwurf machen. Von den 313 000 Katarern haben also 10 000 oder 3,2 Prozent den Wettbewerb besucht. Auf Berlin umgerechnet heißt das: Wenn von den 3,47 Millionen Berlinern 3,2 Prozent die EM besucht hätten, wären das täglich 111 000 Besucher gewesen. Kleines Fazit: Eigentlich war die Zahl der Zuschauer in Berlin relativ gesehen „beschämend“ gering.

    Rupert Sandfuchs, 97753 Karlstadt

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