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    Was ist mit Investitionen in pädagogische Berufe?

    Neben der Spekulation um die Kanzlerkandidatur Söders ging es in dem Artikel um den Ausbau der Universität Würzburg. Es werde 10 neue Professuren im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) geben und Investitionen für Neubauten von 100 Mil. Euro im Bereich 'Chemie' sind genehmigt. Für KI erhofft man sich weitere Neubauten im Wert von ca. 50 Mil. Euro. Es fällt auf, dass vor allem in Bereichen, in denen wirtschaftliche Gewinne erwartet werden, Bereiche die sich also finanziell lohnen, investiert wird.

    Was ist mit Investitionen in pädagogische Berufe? Der Lehrermangel ist allgegenwärtig in Bayern. In anderen Bundesländern ist es noch extremer. Überall fehlen Lehrkräfte auch wegen fehlerhafter Einschätzungen zum Lehrerbedarf bei der Umstellung hin zu einem inklusiveren Schulsystem. Lehrer werden gebraucht, aber es wird nicht in sie investiert! Gerade Studienplätze für Studierende der Sonderpädagogik sind begrenzt und daher mit einem NC belegt. Sind Studierende dann zugelassen, quetschen sie sich in überfüllte Lehrsäle, schreiben auf dem Boden Klausuren oder bekommen erst gar keinen Platz in Seminaren ihres Fachs, weil diese aufgrund zu geringer Größe oder Anzahl der Räume überfüllt sind.

    Des Weiteren werden zu wenige Seminare angeboten, weil Professoren und Dozenten fehlen, die die Jobs nicht mehr antreten möchten - wegen schlechter Arbeitsbedingungen. Vor und im Studium (ganz zu schweigen von der Zeit des Referendariats) werden die Junglehrer durch die Rahmenbedingungen demotiviert. Der Lehrermangel ist vom Land selbstproduziert, weil in Bildung zu wenig investiert wird. Größere Räumlichkeiten, mehr Professuren (z. B. zu Inklusionspädagogik), bessere Konditionen für Dozenten sind dringend notwendig! Dadurch könnten mehr Seminarplätze für Studierende angeboten und somit auch angehende Gymnasial-, Realschul- und Mittelschullehrer in ihrem Studium mit dem Thema Inklusion vertraut gemacht werden.

    Sie machen einen Fehler, Herr Söder, wenn sie weiterhin nur Geld in finanziell gewinnbringende Bereiche an den Universitäten stecken! In dieser Investitionspolitik zudem die Steuern für Unternehmen senken zu wollen halte ich für kontraproduktiv. Gerade der Bereich unserer Gesellschaft, der Geld erwirtschaften soll, sollte auch angemessene Steuern zahlen und somit den Bildungsbereich querfinanzieren. Das macht den Sozialstaat aus! Eine Entlastung des "Leistungsteils" unserer Gesellschaft steht einer Mehrbelastung des Fürsorgebereichs des Staats gegenüber. Wenn im Bildungsbereich die notwendigen Arbeitskräfte fehlen, kann ich nur fragen: Wer unterrichtet eigentlich die ganzen zukünftigen Wissenschaftler, damit sie es an die Unis schaffen und zu KI forschen können - wenn die Lehrkräfte fehlen?

    Lorena Dotzel, 97080 Würzburg

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