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    Anglomanie

    Zu „In der Corona-Krise entsteht ein neuer Wortschatz“ (29.4.):

    Hier ist sie wieder: die Anglomanie! Und zudem oft in völlig falschem Sinn! Wir sollen ein Recht auf „Homeoffice“ bekommen. Jeder sein eigenes „Innenministerium“? „Abstand halten“ ist klar und deutlich, warum dann doch lieber „social distancing“, was im Englischen eben eher „soziale Ausgrenzung“ bedeutet. Bei „stayhome“ fehlt mir doch sehr das „at“; bleiben Sie daheim“ wäre eine klare Botschaft. Klingt „Lockdown“ netter als „Schließungen“? Wobei eher der „Shutdown“ im Wörterbuch zu finden ist. Das „Containment“ musste ich auch nachschlagen, hätte aber den Begriff „Eindämmung“ auf Anhieb verstanden. Aber so sind wir halt: lieber ein verschwommener oder im Englischen völlig anders gedeuteter, englisch klingender Begriff als verständliches Deutsch. Schöne Ausnahmen bestätigen die Regel: Geisterspiel ist eine geniale Wortschöpfung, den Brennpunkt denke ich mir auch gerne dazu, wenn vom alles überstrahlenden „Hotspot“ die Rede ist. Beim „Superspreader“ kann ich mir einen „hochinfektiösen“ Menschen vorstellen. Der Begriff „Triage“ ist in der Katastrophenmedizin seit vielen Jahren fest etabliert und hat sogar Eingang ins Englische als Fremdwort gefunden. Tägliche Sondersendungen mit Horrorszenarien lassen mir die Neuschöpfung „Infodemie“ durchaus als Überforderung des aufgeklärten Bürgers zu Zeiten einer Epidemie mit zu vielen angsteinflößenden Informationen eingängig werden. Dabei soll die Entmündigung der Bürger doch wohl nur gerechtfertigt werden – oder wie weit lässt sich das „Infektionsschutzgesetz“ noch auslegen, um gesunde Menschen zu „bashen“; da fallen mir tatsächlich nur unschöne deutsche Wörter wie „maßregeln, bevormunden oder gängeln“ ein.

    Dr. Bernhard Sturn, 97318 Kitzingen

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