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    Das Lachen bleibt einem im Halse stecken

    Zum Artikel „Stoppt Rom die Pfarreienreform in Würzburg“ (25.7.):

    „Insider“, d.h. Leute, die öfter in den katholischen Gottesdienst gehen, wissen, dass es ab und an „Hirtenbriefe“ gibt, nämlich Schreiben des Diözesanbischofs, die am Sonntag anstelle der Predigt verlesen werden. Darüber hat bereits Eugen Roth gedichtet: „Seit alters steht, nebst manchem Schiefen, viel Richtiges in Hirtenbriefen.“ Das regte Pater Karl Rahner SJ (+1994) einmal an, weiter zu reimen: „Doch neuerdings ist?s umgekehrt. Das Schiefe hat sich stark vermehrt.“ (siehe Albert Keller SJ: Sinn im Unsinn. Worüber Jesuiten lachen. Würzburg 2010, S. 44)

    Das Schreiben der römischen Behörde ist windschief und wäre zum Lachen, wenn einem nicht das Lachen im Hals stecken bleiben würde, weil es weltweit positionelle Autorität beansprucht. Der Text bietet, neben einigem Pathos, weltfremde Lösungen, nämlich ausschließlich auf Priester in der Leitung von Pfarreien zu setzen, von denen es inzwischen allerdings viel zu wenige gibt. Die Initiatoren, offensichtlich zwei deutsche Priester im Vatikan, wollen den Klerikalismus zementieren, den zu bekämpfen sie vorgeben.

    Die ablehnenden Reaktionen sind, mit der üblichen Ausnahme Köln, erfreulich deutlich. Erzbischöfe, Bischöfe, hauptamtliche Laien im kirchlichen Dienst und Ehrenamtliche lehnen diese Schreibtischtheologie in seltener Einmütigkeit ab. Das hätten sich die Bischöfe unter den beiden Vorgängern von Franziskus nicht getraut. Im Fränkischen haben Dr. Ludwig Schick und Dr. Michael Wolf vom Würzburger Diözesanrat Würzburg die Anleitung massiv kritisiert. Sie schadet. Die Verbände der Pastoral- und Gemeinde-referent*innen veröffentlichten ablehnende Stellungnahmen. Reaktionen der Priesterräte stehen noch aus.

    Das ist das Beste an der gezielten Provokation von „oben“, mehr ist es ja nicht, sie reizt zum Widerspruch. Dieser geballte Widerstand ist ein sehr gutes Zeichen. „Roma locuta, causa non est finita.“ (Ganz frei übersetzt: Rom hat entschieden. Die Diskussionen gehen trotzdem weiter.) Nicht zum ersten Mal befeuert Franziskus offene, breite Multiloge. Deshalb lässt er solche Schreiben durchgehen. Er fordert gleichzeitig dazu auf, „mutige und weitreichende“ Vorschläge zu machen. Erst die Amazonier, jetzt die Deutschen mit dem Synodalen Weg, 2021 das Regionalkonzil der Australier, 2022 eine weltweite Synode zur Synodalität. Das ist die Strategie! Für das „operative Geschäft“ sollte deshalb gelten: Die Kleruskongregation ignorieren wir nicht einmal mehr! Abheften und weitergehen.

    Apropos Mangel an Seelsorger*innen: Als einer von Dutzenden verheirateter Würzburger Priester – im deutschsprachigen Raum sind es an die 2000 – frage ich mich, wieso der Würzburger Bischof nicht auf uns zu geht, ähnlich wie dies seine Vorgänger handhabten. Als „Arbeiterpriester“ mit solider Ausbildung und hoher Motivation könnten diese, neben ihrem Zivilberuf, gute Seelsorgearbeit leisten. Und sie würden fast nichts kosten.

    Dr. Edgar Büttner, 83043 Bad Aibling

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